Mannheim

Jazz im Quadrat Marc Marshall wendet sich gegen Stereotypen / Musiker begeistert sein Publikum mit Balladen

Zu „Summertime“ swingt der ganze Saal mit

Archivartikel

Wenn Marc Marshall eines nicht mag, dann ist es in Schubladen gesteckt zu werden. Das zumindest machte der Sänger am vergangenen Freitag im Club „Ella & Louis“ am Rosengarten deutlich. Zusammen mit Thomas Siffling und René Krömer stand er dort im Rahmen von „Jazz im Quadrat – hautnah“ auf der Bühne, präsentiert vom „Mannheimer Morgen“. Wie üblich interviewte der Kulturredakteur Georg Spindler den Künstler, bevor der die Bühne für sich allein hatte.

Und bereits da sagte Marshall: „Ich verstehe diese Beschränkung in Deutschland nicht. Einige definieren sich über die Musik, die sie hören. Die sagen: ,Ich höre dies und das nicht’, dabei nehmen die sich doch damit selbst etwas weg!“ Musik werde oft zu einer Niveaufrage gemacht: „Klassik ist für die Intelligenten, Jazz ist noch intellektueller, der Schlager für die einfach gestrickten Leute. Dabei nimmt man sich doch damit große Freiheiten und steckt sich in Schubladen.“

Und beim Echo würden einige noch immer den Saal verlassen, wenn Helene Fischer ausgezeichnet würde, da sie sich nicht mit dieser Musik in Verbindung bringen wollen: „Da fehlt mir die Freude, erfolgreich zu sein.“

Unterschiedliche Stilrichtungen

Marshall erzählte, wie er selbst unter dieser Stereotypisierung gelitten habe: „Ich hatte immer das Gefühl, die Leute tuscheln hinter meinem Rücken.“ Der Grund: sein Vater Tony Marshall, vor allem als Schlagersänger bekannt. „Die Musikhochschule hat mich mit den Worten abgelehnt, man wolle nicht noch einmal einen trallala-Sänger ausbilden.“

Fast scheint es, als wolle Marshall deshalb mit aller Macht versuchen, sich gar nicht erst in irgendwelche Schubladen stecken zu lassen und singe deshalb alles zwischen klassischen Chansons und Jazz-Stücken. „Um das hinzubekommen, muss man viel arbeiten, die Musik und ihre Unterschiede erkennen. Denn schon die Klassik an sich hat ja enorme Unterschiede.“

Auf der Bühne mit dem Pianisten René Krömer und dem Trompeter Thomas Siffling – übrigens eine Weltpremiere, da der eigentlich eingeplante Tony Marshall terminlich verhindert war – machte er diese Unterschiede deutlich. Von der jazzigen Ballade bis zu modernen Stücken war alles dabei im Repertoire des Trios. Die Stärken seiner Stimme spielte Marshall dabei ganz klar bei den kräftigen Teilen der klassischen Stücke aus: Dann stellten sich im Publikum auch mal die Nackenhaare auf. Bei ruhigeren Parts hingegen wirkte Marshalls Stimme teils gezwungen, der gute Ton ein bisschen zu gewollt. Aber wie er selbst erklärt hat: Der Wandel zwischen den Genres ist nicht immer leicht.

Ansonsten konnte das Trio aber vollends überzeugen – und wurde hin und wieder sogar zum Quartett: Marc Marshalls Bruder Pascal ergänzte die Musiker auf der Bühne für einige Songs und brachte das Publikum ebenso zum Jubeln wie auch reine Instrumentalstücke von Siffling und Kroemer.

„Das hat sich doch wirklich gelohnt“, konnte man nach dem Konzert zu Hauf im Publikum hören. Und bei der zweiten Zugabe „Summertime“ swingt sogar der ganze Saal mit. Und die Zuhörer klatschten im Stehen begeistert Beifall.

Info: Fotostrecke unter www.morgenweb.de/jazz

Zum Thema