Mannheim

„Erkennen Sie Mannheim?“ (Auflösung Folge 148) Gesucht war das Gebäude am RNV-Betriebshof in der Möhlstraße

Zuhause im „Roten Ochsen“

88 Jahre liegen zwischen den beiden Bildern des selben Gebäudes. Und verändert hat es sich in dieser Zeit so gut wie gar nicht, nur das Umfeld sieht heute anders aus. Auf der Aufnahme aus dem Jahr 1930 sind einige wenige Oberleitungen im Hintergrund zu erkennen, heute dagegen ist alles überspannt, auf dem Boden liegen Schienen. Kein Zweifel: Es handelt sich um ein Gebäude der RNV in der Möhlstraße, direkt am Rand des Betriebshofs des Verkehrsunternehmens.

Gebaut wurde es als „Dienst- und Wohngebäude“, darauf weißt Manfred Kirschbaum hin. Er hat eigens in einem Buch über die Geschichte des Unternehmens nachgelesen, in dem auch ein Grundriss eingezeichnet ist. Demnach waren in dem Backsteinbau früher neben Wohnungen das Kleiderlager und die Schneiderei der Verkehrsbetriebe untergebracht.

Ganz persönlich verbindet Elke Imhof viel mit dem Gebäude, das im Volksmund „Roter Ochse“ genannt wird. Ihr Großvater mütterlicherseits, Alfred Schuster, wohnte als beamteter Oberinspektor der Stadt und Leiter des Straßenbahnbauamtes dort mit seiner Frau Anna und seiner Tochter Anneliese – der Mutter von Elke Imhof. Nach einem Bombenangriff im Jahr 1943, schreibt uns die „MM“-Leserin, sei eine Phosphorbombe im Dachgebälk des Hauses hängen geblieben. Ihr Großvater habe diese mit einer Stange in den Hof stoßen wollen, daraufhin habe sich das ganze Phosphor über ihn ergossen. „Er starb am 7. September 1943 in Heidelberg. Das geschah drei Wochen vor meiner Geburt“, schreibt Elke Imhof. Sie selbst lebte dann noch bis Kriegsende in dem Gebäude.

Zwei tödliche Unfälle

Ebenfalls eine dramatische Geschichte schildert Oskar Kreis. Er ist Anfang der 70er Jahre spätabends mit der Bahn vom Tattersall bis zur Möhlstraße gefahren – ein Fahrer hatte ihn auf dem Weg ins Depot mitgenommen. Von dort lief er nach Hause und sah, wie ein Auto auf der Abfahrt vom Neckarauer Übergang ins Schleudern geriet und die Böschung hinunterstürzte. Oskar Kreis rief Hilfe, doch die kam zu spät – „ich habe noch versucht, mit dem Autofahrer zu reden, aber er konnte nicht mehr richtig antworten und ist dann innerhalb von Minuten verstorben“. Noch immer sei ihm diese Nacht in Erinnerung.

Steffen Becker weist auf die heutige Nutzung des Gebäudes in der Möhlstraße hin. Denn außer Büros der RNV ist dort das Nahverkehrsmuseum Rhein-Neckar des Vereins FTM depot 5 Mannheim zuhause. Und so hat Steffen Becker das „Erkennen Sie Mannheim?“-Rätsel übrigens auch gelöst. Denn einen Tag nach dem Rätselbild las er im „MM“ eine Ankündigung des Museumsfestes im „Roten Ochsen“ – da dämmerte ihm, was auf dem Bild zu sehen war. „Manchmal lohnt es sich, erst einmal in Ruhe abzuwarten, bis sich etwas gesetzt hat, statt einen Schnellschuss loszulassen“, resümiert Becker.

Übrigens scheint das Gebäude durchaus Ähnlichkeit mit anderen in Mannheim zu haben: Gleich mehrere Leser tippten auf einen Teil des Hafens an der Neckarspitze, einer dachte an das Rheinbraun-Haus in der Otto-Beck-Straße, eine andere fühlte sich an die Rheinau erinnert.

Wer sich das gesuchte Gebäude in der Möhlstraße einmal genau ansehen möchte: Am kommenden Sonntag, 15. Juli, öffnet das darin untergebrachte Museum von 11 bis 17 Uhr zum Museumsfest.