Mannheim

Vogelstang Sanitärfachgroßhandel Gienger wird 90 Jahre alt und investiert auf ehemaliger Kasernenfläche 25 Millionen Euro / „Es geht uns gut“

Zum Geburtstag ein riesiger Neubau

„Gigantisch“, staunt Werner Stember, wenn er durch die Halle läuft. Er war eng in die Planung eingebunden und bewundert jetzt doch das, was nun daraus geworden ist: 25 Millionen Euro hat die lange von ihm geführte Firma Gienger Haustechnik investiert, um im Jahr ihres 90-jährigen Bestehens und seines 90. Geburtstages einen neuen Firmensitz auf dem Areal der früheren Taylor-Kaserne zu errichten. Über 15 000 Quadratmeter verfügte der Großhandel für Sanitär, Installation, Heizung, Elektro, Klima und Lüftung am bisherigen Firmensitz in der Mallau, der nun vermietet ist. Auf der Vogelstang zog das Traditionsunternehmen auf einem 41 500 Quadratmeter großen Grundstück einen modernen Neubau hoch.

„Wir hatten in der Mallau keine Entwicklungsperspektiven mehr, wollten aber in Mannheim bleiben“, so Klaus Schäfer, persönlich haftender Gesellschafter der Gienger Mannheim KG. Aufgrund der Fläche und Verkehrsanbindung sei das Taylor-Areal perfekt gewesen. „Wir sind sicher, dass dieser neue Standort schnell Heimat für uns wird. Uns bieten sich hier ganz neue Möglichkeiten“, so Schäfer.

Herzstück des neuen Standortes ist das Hochregallager mit 52 Gängen. Es bietet 16 500 Paletten-Stellplätze, 33 000 Fächer im Kleinteilelager, ein hochmodernes Verschieberegal für mehr als 770 Rohre und Bearbeitung von Aufträgen mit insgesamt 35 Flurförderfahrzeugen und Staplern. Von der Spreewaldallee aus beliefert das Unternehmen mit seinen 30 Lkw Fachhandwerker mehrmals täglich in einem Gesamtgebiet von 5200 Quadratkilometern in der Region. Die Ladezeiten anliefernder und abholender Laster werden per Computer gesteuert. Für Endkunden gibt es eine 1250 Quadratmeter große Ausstellung, die alles zeigt, was es heute rund um Bad und WC gibt – etwa barrierefreie Bäder und bodentiefe Duschen. Das dient aber lediglich als Anregung – bestellen kann man nur über Fachhandwerker.

Mit dem Neubau feiert Gienger zugleich sein 90-jähriges Bestehen. Die Wurzeln der „Sanitärgroßhandlung“, wie eine heute noch erhaltene gusseiserne Tafel sagt, liegen in F 7. Dort eröffneten Wilhelm Gienger und Valentin Rothermel die Firma. 1943 werden aber alle Geschäftsräume durch Bomben zerstört. Ein Lager in der Neckarvorlandstraße hilft, notdürftig den Betrieb aufrechtzuerhalten. 1955 und 1964 wird noch dort gebaut, aber das Gelände erweist sich als zu klein, weshalb Gienger 1988 in die Helmertstraße zieht.

60 Mitarbeiter sind es damals – heute zählt die Firma 160 Angestellte, und die 21 Auszubildenden dürfen sich auf eine Übernahmequote von über 90 Prozent freuen. „Es geht uns gut, die Gewinne sind hervorragend, aber über Zahlen reden wir nicht“, sagt Stember. Seine Frau Ursula ist eine Enkelin des Firmengründers Rothermel. Auch wenn er sich im Jahr 2000 aus der Geschäftsführung zurückgezogen, die Leitung an seinen Mitarbeiter Klaus Schäfer abgegeben hat – Gienger ist sein Lebenswerk. Oft kommt der 90-Jährige noch in die Firma, ohne Gehalt: „Ich bin ein günstiger Mitarbeiter!“