Mannheim

Bildung Siebte Klasse der Waldorfschule hat für 14 Tage auf Kristallzucker verzichtet

Zwei Wochen salzig statt süß

Archivartikel

Auf der Kerwe – da sei es schon hart gewesen, erzählt Lea. „Da hat es überall nach Süßem gerochen.“ Nach einigem Suchen fand sie dann doch einen Stand mit Crêpes, in deren Teig kein Zucker war. Und so aß sie den Crêpes eben salzig.

Aber warum? Zwei Wochen lang hat Leas Klasse – die siebte Klasse der Freien Interkulturellen Waldorfschule in der Neckarstadt – auf Kristallzucker verzichtet sowie auf alle Produkte, die ihn enthalten. Nicht alle 23 Schüler haben komplett durchgehalten, aber immerhin: fast die Hälfte.

In der siebten Klasse steht nämlich Ernährungslehre auf dem Plan: Klassenlehrerin Agnieszka Pekala hatte mit ihren Schülern besprochen, aus welchen Bestandteilen Nahrungsmittel bestehen, was der Körper braucht und was in großen Mengen schädlich ist. Was die Schüler über Zucker gelernt haben, fasst Pina zusammen: „Zucker ist ein Energielieferant und gibt einem Kraft. Aber zuviel davon kann der Körper nicht aufnehmen – und dann wird man dick.“ Und für die Zähne sei er auch schlecht, ergänzt ihre Mitschülerin Emma.

Auch Eltern machen mit

Agnieszka Pekala erzählte den Jungen und Mädchen, dass sie selbst einmal sechs Wochen lang auf Zucker verzichten musste – und schlug ihnen vor, das eine Woche lang ebenfalls zu machen. In der ersten Woche sei es hart gewesen, danach habe sie sich besser gefühlt, berichtete die Lehrerin. Das gefiel offenbar auch den Schülern: Wenn schon, dann wollten sie den Zucker-Test zwei Wochen lang durchziehen.

Und wie hat das Experiment geklappt? Bei den einen waren die erste Tage schwierig, danach wurde es einfacher – bei den anderen Mitschülern war es andersherum. In den Familien stieß das Experiment der Siebtklässler auf Zustimmung. Seine Eltern hätten es „cool“ gefunden, was er macht, erzählt Jakob. Die Mutter von Paolo hat einfach mitverzichtet. Arthur allerdings ging sein Bruder auf die Nerven: „Der hat ständig vor meiner Nase Süßes gegessen – auch meine Süßigkeiten.“

Als Tillmann seinen Geburtstag feierte, holten sich die Schüler die Erlaubnis, ausnahmsweise Kuchen und Süßes zu essen – für die meisten aber blieb es dabei. Einige Schüler entschieden für sich allerdings auch, dass es nach einer Woche mal reicht mit dem zuckerlosen Leben. Auf jeden Fall mussten sich die Schüler umstellen und auf Gewohntes verzichten: Francesco schmierte morgens Honig statt Nutella aufs Brot, Jasmin fiel es vor allem schwer, kein Toastbrot zu essen. Denn auch das enthält Zucker. Ohnehin war es für die Siebtklässler überraschend, worin der überall zu finden ist: in Brot-Chips, Krautsalat und sogar Pesto. Dafür landete dann eben anderes auf den Tellern. Mehr Chips und mehr Nüsse zum Beispiel. Aber auch mehr Obst – denn Fruchtzucker war erlaubt.

Natürlich habe sie nicht überwachen können, ob ihre Schüler zu Hause nicht doch heimlich „sündigen“. Aber in der Schule achtete Agnieszka Pekala darauf, dass auch in der Mensa keine Süßigkeiten aufgetischt werden. Insgesamt habe ihre Klasse gut mitgezogen – überrascht hat die Lehrerin das nicht. „Die Kinder sind schon ehrlich – und sie entwickeln bei so etwas einen gewissen Willen.“