Mannheim

Universitätsmedizin 1000. Geburt seit Jahresbeginn / Aus dem Iran geflüchtetes Paar freut sich über zwei gesunde Mädchen

Zwillingspaar – Elisa hat die Nase vorn

Archivartikel

Ihren großen Auftritt verschlafen Elisa und Elvina. Das Zwillingspärchen ist im Mannheimer Universitätsklinikum bei der 1000. Geburt seit Jahresbeginn auf die Welt gekommen. Die Eltern Emellia Shojai und Abbas Keshavarzian, die zum ersten Mal Mama und Papa wurden, freuen sich, dass ihre beiden Mädchen auf natürlichem Weg gesund ins Leben gestartet sind.

Das aus dem Iran geflüchtete Paar, das seit eineinhalb Jahren in Viernheim lebt, hatte sich bewusst für die Universitätsmedizin Mannheim (UMM) entschieden – falls bei der doppelten Entbindung Komplikationen auftreten würden oder die Zwillinge auf einer spezialisierten Neugeborenenstation medizinisch betreut werden müssten. „Aber alles gut“, sagt die 37-jährige Mama glücklich, die noch mit der deutschen Sprache kämpft.

Komfortabel wie im Hotel

Elisa hatte am Montag um 8.21 Uhr die Nase vorn – aber nur um zwei Minuten. Dann erblickte auch schon Schwester Elvina das Licht des Kreißsaales. Mit einer Größe von jeweils 48 Zentimetern und einem Gewicht von 2880 beziehungsweise 2630 Gramm sind die beiden Mädchen in Mamas Bauch voll ausgereift. Und deshalb darf die Familie bereits am morgigen Freitag die im Patientenhaus eingerichtete „Drei Sterne-Eltern-Kind-Station“ verlassen.

„Hier können Mütter mit ihren Kindern und Partnern so komfortabel wie in einem Drei-Sterne-Hotel wohnen“, erläutert der Chef der Frauenklinik Marc Sütterlin und betont, dass Mamas und Neugeborene natürlich „medizinisch und pflegerisch bestens versorgt werden“ – und dies als Kassenleistung. Es wird lediglich ein Aufpreis erhoben, wenn eine zusätzliche Begleitperson mit Vollpension im Zimmer übernachtet.

Mama und Papa wechseln sich ab

Angesichts von Corona gilt nach wie vor die Regelung: Papas können bei der Geburt dabei sein und anschließend im Familienzimmer wohnen – sie dürfen aber nicht zwischendurch die Station verlassen. Und Großeltern sowie Tanten und Onkels müssen sich mit der Begrüßung des neuen Erdenbürgers bis nach der Entlassung aus der Krankenhausfürsorge gedulden. Und deshalb gab es auch den Fototermin mit der jungen Familie in einem separaten Untersuchungszimmer.

Langweilig dürfte es Emellia Shojai und Abbas Keshavarzian zuhause nicht werden. Schließlich fordert die Versorgung von zwei Säuglingen erst mal rund um die Uhr heraus. Solange jener Deutschkurs (B1-Level), den der frischgebackene Papa besucht, wegen Corona ruht, will er seiner Frau helfend zur Seite stehen. Ob er in seinem erlernten Beruf als Goldschmied in Deutschland eine Job-Perspektive hat oder etwas Neues lernen muss, weiß er noch nicht. Für die Mama, die im Iran als Friseurin gearbeitet hat, ist hingegen klar, dass sie so schnell in keinem Salon zu Schere und Kamm greifen wird.

Im vergangenen Jahr gab es im Uni-Klinikum 2198 Entbindungen – und damit einen Rekord. 69 Mal sind Zwillinge auf die Welt gekommen. Paare, die Mehrlinge erwarten, aber auch Frauen mit Komplikationen während der Schwangerschaft bevorzugen häufig universitäre Geburtszentren mit der höchsten Versorgungsstufe.

Ärzte rund um die Uhr im Einsatz

„Bei uns sind rund um die Uhr Gynäkologen, Kinderärzte und auf der Neugeborenenstation spezialisierte Neonatologen im Einsatz“, so Chefarzt Sütterlin. Da die eintausendste Geburt eine gute Woche früher als im letztjährigen Juni erfolgte, ist das Team des Kreißsaales zuversichtlich, dass trotz Corona-Pandemie auch 2020 wieder über 2000 Mädchen und Buben in der UMM auf die Welt kommen.

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