Mannheim

Katholiken Freiwillie Helfer bereiten Mariä Himmelfahrt in der St. Sebastian Kirche vor

Zwölf Kräuter, zwölf Apostel

Es duftet nach frischer Minze, nach Bohnenkraut, nach Oregano, nach Johanniskraut, und nach vielen weiteren Kräutern: „Zwölf Apostel waren es, zwölf Kräuter kommen in den Strauß“, erklärt Marliese Schumacher von der katholischen Seelsorgeeinheit Mannheim, Johannes XXIII. Dienstag- und Mittwochnachmittag waren Dutzende freiwillige Helfer im Pfarrsaal der St. Sebastian Kirche am Marktplatz damit beschäftigt, kleine Kräuterstraße zu binden. Am Donnerstag feiern die Katholiken Mariä Himmelfahrt und die damit verbundene Kräuterweihe.

Seit 813 wird das Hochfest in Deutschland gefeiert, bei dem sich nach Überlieferung der Leichnam Marias von Engeln unterstützt in einer strahlenden Lichtaura emporschwang. Als die Jünger später das Grab Marias öffneten, fanden sie nach einer anderen Legende nur noch Blüten und Kräuter vor.

„Hier wächst etwas“

„Wer in der Stadt aufgewachsen ist, kennt das gar nicht“, berichtet Marliese Schumacher von dem christlichen Brauchtum und auch von der Wertschätzung für die Natur, „Hier wächst etwas.“ Für sie ist es ein besonderes Fest: „Die Leute treffen sich, mitten im Hochsommer wird die Schöpfung sichtbar gemacht.“

Seit 2009 wird die Kräuterweihe auch in der Katholischen Seelsorgeeinheit in Mannheim begangen, „das war vor genau zehn Jahren, da haben wir das erstmalig gemacht“, wie Schumacher verdutzt feststellt. Eine Teilnehmerin berichtet, dass sie schon seit 72 Jahren Sträuße bindet: „Früher haben wir das noch auf dem Land gemacht, im Odenwald, da war ich zwölf Jahre alt.“

Auch Josefine Schenk verbindet mit dem Hochfest schöne Erinnerungen an Himmelfahrts-Spaziergänge mit ihrer Mutter vorbei an blühenden Rosenbüschen und an das Tausendgüldenkraut: „Das gehört einfach zur Kräuterweihe dazu“, wie sie beim Binden der Sträuße erzählt: „Das wächst nicht überall, das haben wir früher stundenlang im Wald gesucht. So etwas vergisst man nicht, deswegen machen wir das so gern.“

Heute steht das seltene Kraut unter Naturschutz, daher kommen andere Kräuter und Blüten in die Sträuße, beispielsweise Stalizien und Strandflieder, wie der Florist Enzo Mariconda erklärt. Dabei wird es immer schwieriger, die Blumen und Kräuter zu bekommen: „Finde mal noch Leute, die Blumen pflücken. Das ist echt ein Problem.“

„Wir nehmen auch nur Sachen, die nicht vertrocknen“, so Mariconda, denn die Sträuße müssen lange halten. „Meiner hängt von letztem Jahr noch“, wie Josefine Schenk erzählt, „der hat wunderbar gehalten.“

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