Meinung

Das Risiko wird größer

Archivartikel

Es ist ein Spagat: Die VR Bank Rhein-Neckar ist natürlich kein „gewöhnliches“ Geldinstitut, sondern dem Genossenschaftsgedanken verpflichtet. Sie darf also nicht nur an ihren eigenen Profit denken. Gleichwohl kann auch die Bank mit ihrem Stammsitz in Mannheim nicht die Marktgesetze aushebeln. Sie muss also irgendwie einen Mittelweg finden. Und das ist gar nicht so einfach.

Der Blick auf den Geschäftsbericht 2019 zeigt, dass sich die VR Bank für die Zukunft gut wappnen muss. Der Bilanzgewinn von knapp zehn Millionen Euro wirkt zunächst beruhigend, allerdings ist er nur deshalb so hoch ausgefallen, weil die VR Bank an ihre stillen Reserven gegangen ist. Sonst wäre das Ergebnis nicht besser, sondern schlechter als 2018 ausgefallen.

Wie vorsichtig die Genossen in Mannheim sind, zeigt sich auch beim Thema Dividende. Vier Prozent würde den Mitgliedern zustehen. Sie müssen zwar nicht ganz verzichten, die Auszahlung soll verschoben werden. Dennoch ist dies ein Hinweis darauf, dass die VR Bank für schlechtere Zeiten vorsorgt.

Schon vor Corona setzte die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) den Geldinstituten zu. Diese müssen 0,5 Prozent Zinsen an die EZB zahlen, wenn sie überschüssiges Geld dort parken wollen. Sie können aber im Gegenzug nicht von jedem Kontoinhaber Strafzinsen verlangen. Dies ist nur bei neuen Kunden möglich. Seit April 2020 macht dies auch die VR Bank – bei Leuten, die mehr als 100 000 Euro auf dem Girokonto stehen lassen. Das Massengeschäft ist davon nicht betroffen. Man verprellt damit aber womöglich potenzielle Kunden, zumal nicht jeder sich mit den Details beschäftigt.

Hoffnung geplatzt

Die Hoffnung, dass die EZB ihren Zins-Kurs ändert, ist mit dem Ausbruch der Corona-Krise jedenfalls geplatzt. Weil die EU und ihre Mitgliedstaaten enorme Summen brauchen, um die Wirtschaft über Wasser zu halten, flutet die EZB den Markt mit frischem Geld. Zinserhöhungen sind deshalb illusorisch.

Doch in Wirklichkeit lauert die größere Gefahr für die Banken woanders: Wenn die Wirtschaft in eine krasse Rezession abstürzt, die Zahl der Insolvenzen steigt und immer mehr Menschen arbeitslos werden, stellt sich doch die entscheidende Frage: Wer kann dann noch seine Kredite an die Banken zurückzahlen? Wer weiß, auf wie vielen Pulverfässern diese schon jetzt sitzen.

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