Mercedes-Benz

Daimler Diesel-Debatte bremst Absatz nicht / Aktionäre und Mitarbeiter bekommen mehr Geld

Rekordzahlen trotz Turbulenzen

Archivartikel

Stuttgart/Mannheim.Der Autobauer Daimler hat im letzten Jahr trotz der Diesel-Debatte und Kartell-Vorwürfe so viele Autos verkauft wie noch nie. Der Stuttgarter Konzern verbuchte einen Umsatz von 164,3 Milliarden Euro, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. „Wir produzieren an der Kapazitätsgrenze“, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche. Im laufenden Jahr könnte die Nachfrage die Produktionsmöglichkeiten übersteigen. Vor allem wegen des bevorstehenden Modellwechsels in der A-Klasse rechnet Zetsche aber nur mit einer „leichten Steigerung des Pkw-Absatzes“. Dagegen könnten Lastwagen und Busse „deutlich über Vorjahresniveau“ liegen.

Deutlich um 24 Prozent gestiegen ist das Konzernergebnis, das 10,9 Milliarden Euro erreicht hat. Mit rund einer Milliarde Euro schlägt sich die US-Steuerreform bereits in der Bilanz nieder. Für das laufende Jahr rechnet Zetsche mit einem operativen Ergebnis auf Vorjahresniveau. Die Dividende je Aktie soll um 40 Cent auf 3,65 Euro steigen.

Die Pressekonferenz wurde überschattet von dem Skandal um die Versuche mit Affen, die stundenlang Dieselabgase einatmen mussten. Daimler war über die Lobbyorganisation EUGT an der Finanzierung beteiligt und hatte am Mittwoch den Leiter des Bereichs Umweltschutz, Udo Hartmann, freigestellt. Gleich zu Beginn seiner Rede betonte Zetsche: „Wir werden die Vorgänge lückenlos aufklären.“ Solche Methoden seien verabscheuungswürdig. Die Vorwürfe gingen „tief in die Substanz“. Die Aufarbeitung erfordere Zeit. Er sehe sich außerstande, nach einer Woche den entstandenen Imageschaden einzuschätzen.

Umtauschprämie verpufft

Die zur Senkung der Luftbelastung eingeführte Umtauschprämie für alte Autos hat bei der Nobelmarke Mercedes-Benz wenig Effekt gehabt. „Für uns sind die Potenziale begrenzt“, sagte Zetsche. Die Prämie habe eine hohe vierstellige Zahl von Verkäufen ausgelöst.

Die Debatte um Fahrverbote und Schadstoffbelastung hat den Verkauf der Diesel-Pkw weltweit nicht beeinträchtigt. In Europa sei der Anteil am Gesamtabsatz um drei Prozent gesunken, weil noch mehr Benziner verkauft wurden. Betroffen habe das vor allem Deutschland, England und Frankreich.

Ein Wermutstropfen in der Rekordbilanz ist die nachlassende Verdienstmarge. Mit einer Umsatzrendite von neun Prozent im Autogeschäft habe man „exakt die Zielmarke erreicht“. Zetsche nannte als Korridor acht bis zehn Prozent. Die Korrektur nach unten sei notwendig, weil für die laufende Transformation deutlich höhere Investitionen notwendig seien und der Ergebnisbeitrag neuer Modelle geringer sei.

Gute Nachrichten gibt es für die Mitarbeiter. Auch ihre Prämie erreicht mit 5700 Euro ein neues Rekordniveau. 2016 waren es für die 130 000 Tarifbeschäftigten in Deutschland noch 5400 Euro.

Triebfeder der guten Ertragszahlen war der um zehn Prozent gestiegene Absatz von Mercedes-Benz. Mit fast 2,4 Millionen verkauften Pkw kam der Konzern im Wettbewerb der Premiummarken deutlich vor BMW und Audi ins Ziel. Einen markant erhöhten Beitrag zum Ergebnis lieferte auch die Lkw-Sparte. Ihr Absatz stieg um 13 Prozent auf 471 000 Fahrzeuge. Getragen wurde das Plus vor allem von der „positiven Entwicklung in Nordamerika“, wie Andreas Moch mitteilte, Standortverantwortlicher des Mercedes-Benz Werks in Mannheim. „Dank der globalen Ausrichtung unseres Motorenwerks profitieren wir unmittelbar von diesen Zuwächsen.“

„Gut in der Spur“

Der Absatz der Bussparte stieg um neun Prozent auf 28 700 Einheiten. Hartmut Schick, Leiter Daimler Buses, zeigte sich zufrieden. „Wir haben vor allem aufgrund weiterer Effizienzsteigerungen unser Geschäft gut in der Spur gehalten.“ Für das Jahr 2018 rechne er nochmals mit einer deutlichen Absatzsteigerung. Auch der Mannheimer Betriebsratsvorsitzende Joachim Horner ist zuversichtlich: „Das letzte Jahr lief gut. Und die Aussichten für dieses sind noch besser. Wir starten gut ins Jahr und sind gut beschäftigt“, sagte er.

Im Pkw-Bereich prägten zwei Trends den Absatz: Die Verkäufe in China stiegen 2017 um 28 Prozent auf 595 000 Fahrzeuge. Überdurchschnittliche Verkaufszahlen mit einem Plus von 16 Prozent erzielten die Geländewagen. Jedes dritte Auto des Konzerns entfällt nun auf das SUV-Segment. (mit kla)

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