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Daimler Konzern will 1,4 Milliarden Euro beim Personal sparen / Mehr als 10 000 Stellen fallen weg / Entlassungen ausgeschlossen

Voll auf der Kostenbremse

Stuttgart/Mannheim.Dass der Sparkurs von Daimler-Chef Ola Källenius nicht ohne Stellenabbau funktioniert, war klar. Nun liegt erstmals eine Zahl auf dem Tisch. Und die ist ziemlich groß. Das Sparprogramm wird in den kommenden drei Jahren weltweit mehr als 10 000 Arbeitsplätze kosten. Um wie geplant 1,4 Milliarden Euro beim Personal einzusparen, will der Stuttgarter Konzern in der Verwaltung vor allem frei werdende Stellen nicht nachbesetzen, die Altersteilzeit ausweiten und Mitarbeitern Abfindungen anbieten. Wie genau sich das auf den Standort Mannheim auswirken wird, blieb am Freitag zunächst offen.

„Fokus auf Angestellten“

„Für uns hat sich im Grunde seit der Betriebsversammlung am Montag vorige Woche nicht viel geändert“, sagte Joachim Horner, Betriebsratsvorsitzender des Mannheimer Werks, auf Anfrage dieser Zeitung. „Der Ausgangspunkt ist klar, nämlich dass der Vorstand in den kommenden drei Jahren 1,4 Milliarden Euro an Personalkosten einsparen will“ – hauptsächlich durch Einsparungen im Personalbereich. Der Betriebsrat versuche, dabei die Belegschaft so gut wie möglich zu schützen, etwa über Angebote zur Altersteilzeit oder Abfindungen bei Auflösungsverträgen, aber auch durch Umschulungsmaßnahmen etwa bei der Entwicklung von Motoren.

„Erst einmal gilt es abzuwarten, wo und was konkret passieren soll“, sagt Horner. „Der Fokus liegt ja auf Angestellten im indirekten Bereich, da sind andere Standorte sicherlich mehr betroffen als Mannheim, wo der Schwerpunkt auf der Produktion liegt.“ Allerdings wisse auch er noch nicht genau, was der Vorstand beschließen werde, wo wie viele Leute zu viel seien und wie das Werk Mannheim mit seinen rund 8600 Mitarbeitern betroffen sei. „Ich hoffe, dass die richtigen Entscheidungen fallen, um das Unternehmen voranzubringen. Aber für uns ist es auch wichtig, uns abzusichern.“

Details sind also noch rar, klar ist aber zumindest: Am Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 wird nicht gerüttelt. Vorstandschef Ola Källenius hatte die Sparpläne Mitte November schon einmal grob skizziert, als er Investoren in London seine Strategie für die kommenden Jahre erläuterte.

Am Freitag war es dann Personalvorstand Wilfried Porth, der verkünden musste, was das 1,4-Milliarden-Ziel konkret für die Arbeitsplätze bedeutet. „Mit den jetzt gemeinsam mit dem Betriebsrat beschlossenen Eckpunkten zur Verschlankung des Unternehmens können wir dieses Ziel bis Ende 2022 erreichen“, sagte Porth und versprach, so sozialverträglich wie möglich vorzugehen.

Aus Sicht des Konzerns ist das Personal – gut 178 000 Leute allein in Deutschland – schon ganz grundsätzlich zu teuer, was die Wettbewerbsfähigkeit schmälert. Zugleich muss Daimler das nötige Geld zusammenbekommen für Investitionen in Zukunftsthemen wie die Elektromobilität oder das autonome Fahren – und das zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Die weltweite Autokonjunktur lahmt, es gab Produktions- und Absatzprobleme, zudem musste der Konzern zuletzt Milliardensummen vor allem für seine Diesel-Altlasten zurücklegen. Auch die Einhaltung der strenger werdenden Vorgaben der EU für den Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) der Neufahrzeuge kostet viel Geld. Im zweiten Quartal machte Daimler sogar Verlust.

Kürzere Arbeitszeiten angestrebt

Auch jede zehnte Management-Stelle im Konzern soll gestrichen werden. Auslaufende Verträge von Zeitarbeitern in der Verwaltung will der Konzern nun nur noch sehr restriktiv verlängern. Zudem sollen Mitarbeiter in der Regel nicht mehr die Möglichkeit bekommen, ihre Arbeitszeit von den üblichen 35 auf 40 Stunden zu erhöhen und entsprechend mehr Geld zu bekommen. Im Gegenteil: Eher sollen Mitarbeiter dazu gebracht werden, ihre Arbeitszeit noch weiter zu reduzieren. Und schließlich werde man sich auch von einigen „liebgewordenen Dingen aus der Vergangenheit“ trennen müssen, sagte Porth. Etwa den Anwesenheitsbonus für Mitarbeiter ohne Fehltage. (mit dpa)

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