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Jüdische Kultur Ministerpräsidentin Malu Dreyer unterzeichnet Antrag der Schum-Städte Speyer, Worms und Mainz

1000 Seiten für das Welterbe

Rhein-Neckar.Die trotz jahrhundertelanger Judenverfolgung erhaltenen Synagogen und Friedhöfe in Speyer, Worms und Mainz sollen ins Weltkulturerbe. Den Antrag für die Unesco unterzeichnete am Montag Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in der Neuen Synagoge in Mainz, für das Bundesland Rheinland-Pfalz. „Das ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Anerkennung als Welterbestätte“, sagte Dreyer. „Und ich hoffe, dass wir dieses Ziel im Sommer 2021 erreichen werden.“

Der Antrag soll am 23. Januar in Paris der Unesco übergeben werden. Die historischen Schum-Stätten – benannt nach den hebräischen Anfangsbuchstaben der drei Städte – umfassen die jüdischen Friedhöfe in Worms und Mainz und die Synagogenbezirke in Speyer und Worms. Zu diesen gehören auch mittelalterliche Mikwen, also Ritualbäder.

„Die drei eng miteinander verbundenen jüdischen Gemeinden beeinflussten im Mittelalter maßgeblich die Kultur, die liturgische Dichtung und das religiöse Recht des Judentums in Mittel- und Osteuropa“, sagte Dreyer, die an die Anfänge der Initiative im Jahr 2004 in Worms erinnerte. Die kulturelle Blüte zeuge von einem außergewöhnlichen Kulturtransfer zwischen christlicher Mehrheitsgesellschaft und jüdischen Gemeinden. „Heute muss sie uns Mahnung sein, die kulturelle Vielfalt als gemeinsame, große Chance zu sehen.“ Wenn heute jüdisches Leben wieder angegriffen werde, sei es umso wichtiger, das Bewusstsein für das jüdische Erbe am Rhein lebendig zu halten. Das rund 1000 Seiten umfassende Dossier für die Unesco besteht aus zwei großen Teilen. Zum einen wird auf etwa 600 Seiten wissenschaftlich fundiert der außergewöhnliche universelle Wert der jüdischen Stätten am Rhein dargelegt. Zum anderen wird in einem etwa 400 Seiten umfassenden Management-Plan erklärt, wie die Stätten gesichert und für die Öffentlichkeit erschlossen werden sollen.

Dreyer wies darauf hin, dass die touristische Erschließung der Schum-Stätten auf die vorrangigen religiösen Belange der jüdischen Gemeinden Rücksicht nehmen müsse.

„Ich wünsche mir sehr, dass die Touristen nicht nur zu den Schum-Stätten kommen, um alte jüdische Steine zu fotografieren, sondern dass ihnen diese Steine etwas sagen werden, das sie in ihrem Herzen mitnehmen können“, sagte die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Mainz, Anna Kischner. Wenn sie sehe, wie junge Talmud-Schüler vor den Gräbern mittelalterlicher Rabbiner im Gebet versunken seien, werde deutlich: „Schum lebt.“ 

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