Metropolregion

Musikmobil Gute-Laune-Team belohnt Haßlocher fürs Zuhausebleiben / Stadtplan zeigt Route in sozialen Netzwerken

90 Minuten für ein kleines Lächeln

Archivartikel

Hassloch.Beim Blick auf die fast ausgestorbene Hauptstraße ist dem Vorsitzenden des Haßlocher Kulturvereins, Tommy Schmidt, ein rollendes Gegenprogramm für fade Corona-Stunden eingefallen: „Ich saß ziemlich alleine bei mir daheim und habe mir gedacht, irgendwie muss man die Menschen doch dafür belohnen, dass sie sich so brav an die Kontaktverbote halten“, erzählt Schmidt im Gespräch mit dieser Redaktion. Deshalb rollt nun jeden Abend ein gut hörbares „Musikmobil“ durch das Großdorf.

Neben dem Kulturverein mischen der Haßlocher Carnevalverein und die Firma MM-Veranstaltungstechnik mit. Die Truppe fährt durch die Straßen und sorgt mit ihrem „Musikmobil“ anderthalb Stunden lang für Abwechslung. Ein großes Banner mit der Aufschrift „Danke, dass Sie zuhause bleiben“ ziert die Seiten des Anhängers. „Ich bin ein lebenslustiger Mensch und es macht mich traurig, wenn die Leute so auf Abstand gehen müssen. Deshalb wollten wir den Haßlochern wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, erklärt der Initiator. So packen Tommy Schmidt, Markus Mischon von der Firma MM und Daniel Kammel vom Karnevalsverein jeden Abend eine Anlage samt Lautsprechern auf den Anhänger und zuckeln im Schritttempo durch den Ort.

„Ursprünglich wollten wir mit einem DJ live Musik machen, aber das konnte uns das Ordnungsamt während der Corona-Pandemie nicht genehmigen, weil es einem Umzug zu sehr ähneln würde“, berichtet Mischon. Insgesamt bekomme man von der Gemeinde aber sehr viel Unterstützung.

Wünsche über Facebook

Werbung hat das Team zum Auftakt über die Homepage der Gemeinde und eine neu eingerichtete Facebook-Seite gemacht. „Die hatte in den ersten acht Stunden 500 Likes“, erzählt Schmidt stolz. Von der Reaktion sei man überwältigt gewesen: „Die Leute standen schon auf den Balkonen und in den Höfen und haben uns erwartet“, erinnert sich Mischon. Im Gepäck hat das Mobil Ohrwürmer, Party-Schlager und Rockhits: „Ob nun Queen, die Flippers, AC/DC oder Peter Kraus – wir spielen außer Helene Fischer alles, Hauptsache, es macht gute Laune“, erzählt Schmidt.

Während man am Anfang noch nach dem Zufallsprinzip durch die Straßen gefahren sei, habe man die Gemeinde mittlerweile in vier Sektoren eingeteilt. „Wir posten bei Facebook einen Stadtplan und markieren den Sektor, in dem wir am nächsten Abend vorbeikommen.“

Stehenbleiben dürfe das Musikmobil nicht, deshalb zuckle es im Schneckentempo durch den Ort. Auch Musikwünsche gingen über Facebook ein. „Die Rembachstraße hat sich Guns n‘ Roses gewünscht und nebenan haben wir Queen gespielt.“ Da die Truppe nicht möchte, dass sich auf der Straße Menschen zu spontanen Partys versammeln, spart sie Discomusik und Techno aus. „Aber zu Gloria Gaynor mit den Hüften wippen, ist erlaubt“, sagt Schmidt schmunzelnd.

„Manche Leute sitzen auch mit ihren Stühlen im Hof und genießen einfach die Abwechslung“, ergänzt Mischon. Außerdem schauen jeden Abend etwa 150 Menschen über den Live-Stream zu. „Wir wollen niemandem auf die Nerven fallen, aber so lange wir so begeistert empfangen werden, machen wir weiter“, verspricht Schmidt.

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