Metropolregion

Soziales Frankenthaler Einrichtung fiel bereits mehrfach wegen Mängeln in der Versorgung auf / Doppelschichten geschoben

Amt schließt Wohnbereich im Altenheim

Frankenthal/Mainz.Wegen Mängeln in einem Frankenthaler Altenheim muss die Einrichtung einen ihrer drei Wohnbereiche schließen. Das hat das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung angeordnet, wie eine Sprecherin gestern mitteilte. Der Träger müsse zudem den Stellenanteil bei den Pflegefachkräften und Pflegehelfern im Heim erhöhen, das Prüfern schon früher wegen Mängeln in der Versorgung der Bewohner aufgefallen war.

Die Tochter einer 92 Jahre alten Heimbewohnerin hatte sich kürzlich mit dem Vorwurf an die Polizei gewandt, ein Armbruch ihrer Mutter sei trotz Schmerzen erst nach sechs Tagen behandelt worden. Gegen Mitarbeiter des Heims wird deshalb ermittelt. Zum Umfang wollte sich ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankenthal nicht äußern.

„Der Hinweis der Tochter hat alles ins Rollen gebracht“, sagte die Sprecherin des Landesamtes. Nachdem eine Prüfung am 22. März weiter bestehende Mängel – vor allem hinsichtlich der Pflege der Bewohner – ergeben habe, sei mit der Trägergesellschaft die Schließung von einem der Bereiche besprochen worden.

Der Großteil der im Heim lebenden Menschen könne innerhalb des Hauses umziehen, so dass nur noch zwei Wohnbereiche betrieben werden müssten. Mit der Maßnahme soll nach Darstellung der Sprecherin gewährleistet werden, dass das Personal effizienter und konzentrierter eingesetzt werden kann. Umziehen müssten etwa zehn Bewohner.

Wie berichtet, hat die Angehörige der 92-Jährigen alles aufgeschrieben, was ihr in dem Heim aufgefallen ist – das Gedächtnisprotokoll liegt dieser Zeitung vor. Demnach säßen demente Menschen vor ihrem Essen und wüssten nicht, was sie damit anfangen sollen – von den Pflegern geholfen werde ihnen nicht. Auf einem Angehörigenabend schilderte ihr ein Mann, dass er seinen Verwandten mit dem Gesicht im Teller vorgefunden habe.

„Schockierende Zustände“

Als eine demente Frau sich an ihre Kriegserlebnisse erinnert fühlte, nach ihrem Sohn schrie und um ihr Leben bangte, habe ein Pfleger zu einer Kollegin gesagt: „Ich werde ihr was geben, damit das aufhört.“ „Ich war schockiert und erachte die Zustände als nicht tragbar. Ich mache sie öffentlich, weil ich befürchte, dass auch andere Bewohner dort kein gutes Leben haben“, betonte die Tochter.

Nach Angaben von Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) waren auch im vergangenen Januar „gravierende Mängel“ in der pflegerischen Versorgung der Bewohner festgestellt worden. „Es gab wieder Probleme in der Organisation des Personals“, sagte sie gestern im Landtag. Freiberufliche Mitarbeiter hätten Doppelschichten gemacht, was zu einer Gefährdung der Bewohner führen könne. Derzeit seien mehr als die Hälfte der Pflegefachkräfte sogenannte Freiberufler, was sich negativ auf die Betreuung der Bewohner auswirke. Von Mai an sollen deshalb bei Bedarf nur noch Mitarbeiter über Leasing-Firmen und keine freiberuflichen Fachkräfte mehr beschäftigt werden. Falls die Maßnahmen nicht griffen, wäre auch eine vollständige Schließung zu erwägen, sagte sie. lrs/sin