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Förderprogramm Wer Sonnenuhren baut, darf auf finanzielle Unterstützung hoffen / Verein in Birkenau

Auch Sonnenuhren auf Zeitumstellung geeicht

Archivartikel

Birkenau.Immer und immer wieder funktioniert die Zeitumstellung. Zwei mal im Jahr heißt es bei den Wissenschaftlern der Physikalischen Technischen Bundesanstalt in Braunschweig: „reibungslos geklappt“. Auch an diesem Sonntag wird wieder an der Uhr gedreht. An Bahnhöfen, auf Handys oder Weckern – Millionen Uhren in Europa werden am Morgen von 3 auf 2 Uhr durch Geisterhand zurückgedreht. Eine Stunde Schlaf gewonnen. In Birkenau im südhessischen Kreis Bergstraße werden dann einige Uhren die falsche Zeit anzeigen – wenn die Sonne scheint.

„Es ist das Dorf der Sonnenuhren“, sagt Monika Lübker, Vorsitzende des Sonnenuhrenvereins Birkenau. Dies sei zwar kein offizieller Titel, doch in der rund 10 000 Einwohner zählenden Gemeinde gebe es mehr als 200 dieser Zeitmesser.

In ganz Deutschland seien es rund 15 000 funktionierende Uhren, und die moderneren können sogar Zeitumstellung: Sie haben einfach zwei Zeitleisten. Neuere Uhren mit nur einer Skala zeigen Lübker zufolge die Sommerzeit.

Eckige, runde, Standuhren, Schüsseln, Zeichnungen an Hauswänden, in Birkenau gibt es die Zeitmesser in allen Variationen, von kunstvoll gefertigt bis einfach an die Wand gemalt.

Im Herbst fehlen oft die Zeiger

Zwar können einige Sonnenuhren auch die Zeitumstellung darstellen, doch ihre Jahreszeit bricht jetzt nicht an. Kurze Tage und wolkenverhangener Himmel: Im Herbst und Winter fehlt den wohl ersten genauen Chronometern der Menschheit mangels Licht und Sonne schon mal öfter der Zeiger.

Auch wenn man nicht immer die Zeit von diesen Uhren ablesen kann, will die Deutsche Gesellschaft für Chronometrie (DGC) Sonnenuhren in einem bundesweiten Projekt fördern. „Wir haben derzeit einen kleinen Fonds zur Verfügung“, sagt Lübker, die auch eine von zwei Vorsitzenden im Fachkreis Sonnenuhren der DGC ist.

Es könne sich jeder melden, Vereine, Kirchen, Privatleute oder Gemeinden, um alte Uhren zu restaurieren oder neue zu bauen. Die Projekte dürften nicht älter als zwölf Monate sein und müssten an öffentlichen Plätzen stehen, dann seien Teilfinanzierungen möglich.

„Wir haben jetzt drei bis vier Projekte“, erzählt die 61-jährige frühere Projektmanagerin, die sich ehrenamtlich um die Sonnenuhren kümmert. Wenn am Sonntagmorgen das Signal zur Zeitumstellung gesendet wird, empfangen es moderne Uhren auf Bahnhöfen, auf Flughäfen oder bei Energieversorgen, und automatisch wird an der Uhr gedreht. Eigentlich sollte damit in Kürze Schluss sein. In einer Befragung in der EU- hatten sich im vergangenen Jahr 84 Prozent der Teilnehmer für ein Ende der Zeitumstellung ausgesprochen.

Das EU-Parlament stimmte daraufhin im März für die Abschaffung der Zeitumstellung bis 2021. Allerdings ist unklar, wie dies konkret umgesetzt werden soll. In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Zeitumstellung mit der Sommerzeit im Jahr 1980 als Reaktion auf die Ölkrise zwei Jahre zuvor eingeführt. Ziel dieser Maßnahme war es, Energie zu sparen, weil es abends länger hell bleibt. Seit 1996 gilt die Sommerzeit EU-weit und beginnt jeweils am letzten Sonntag im März.

Am letzten Sonntag im Oktober werden die Uhren dann in allen Staaten der Europäischen Union wieder auf die Winterzeit – also die Normalzeit – zurückgedreht. Die Zeitumstellung ist umstrittenen, weil sie auch zu gesundheitlichen Problemen führen kann. So hatte die Krankenkasse DAK in einer jüngst bekanntgewordenen repräsentativen Umfrage herausgefunden, dass fast jeder dritte Deutsche Beschwerden durch die Zeitumstellung hat.

„Ich mag die Sommerzeit“

Die Sonnenuhr-Liebhaberin Lübker sieht die Frage der Zeitumstellung eher gelassen. „Ich persönlich mag die Sommerzeit“, sagt die 61-Jährige. Die DGC, die nach eigenen Angaben rund 1100 Mitglieder hat und sich in verschieden Fachkreisen mit unterschiedlichen Uhrentypen beschäftigt, sei allerdings dagegen. Das neue Stellen aller alten Turmuhren sei viel zu aufwendig.

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