Metropolregion

Auf der Suche nach kühlen Orten

Archivartikel

Mannheim.Hoch "Ulla" bringt Deutschland ins Schwitzen. Für den heutigen Mittwoch werden die vorerst höchsten Temperaturen erwartet. Nach Angaben des Deutsche Wetterdienstes können demnach bis zu 40 Grad an Mannheims Schattenplätzen erreicht werden.

Unsere Redakteurinnen und Redakteure berichten in einer Hitze-Reportage aus Mannheim. 

Unterkühlte Stimmung herrscht am Morgen am Landgericht. Verhandelt wird wegen versuchten Mordes, Rechtsanwalt Thomas Dominkovic verteidigt die Frau unter den drei Angeklagten. Unter seinem Talar trägt Dominkovic ein weißes Hemd mit langen Ärmeln. Sicherheitshalber. „Hier im Gerichtssaal kann es nämlich richtig kalt werden“, weiß er um die Ausmaße der behördlichen Klimaanlage. Neun Tage lang soll der Fall - ein Eifersuchtsdrama -verhandelt werden. Eine heiße Angelegenheit. Trotzdem nimmt’s Dominkovic gelassen: „Es gibt gerade keinen angenehmeren Arbeitsplatz als das Landgericht.“ abo

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Gerade frisch aus dem Becken gehüpft, freuen sich die Mannheimer Christoph und Fabian über das tolle Wetter. Die beiden sind zum zweiten Mal im Herzogenriedbad, wo sie schon um kurz nach neun Uhr das kühle Nass mit Studenten , Müttern und Rentnern genießen . Für die morgendliche Planscherei haben sich die zwei Freunde extra den Wecker gestellt: „Das hier aber schon so viel los ist, hätten wir nicht gedacht“ erklärt Fabian noch ganz nass von der letzten Runde im Wasser. Sie wollen mindestens noch eine Stunde hier verbringen, als nächstes ist rutschen angesagt, scherzen die beiden und springen gleich wieder ins Wasser. lia

Mit Spitzhacke und Schaufel bearbeiten die Baustellenarbeiter den heißen Boden in der Oberen Riedstraße. Die Sonne knallt ihnen vom wolkenlosen Himmel auf die unbedeckten Köpfe. In langen Hosen und festem Schuhwerk greifen sie regelmäßig zu den Wasserflaschen, die um die Baustelle herum stehen. Selbst der Arbeiter im kleinen Bagger wischt sich immer wieder über die nasse Stirn. Baustellenchef Valdet Ademaj begeht währenddessen mit zwei Männern die Baustellenabschnitte und bespricht die weiteren Schritte. 

"Bei den Temperaturen ist es extrem wichtig, dass alle genug Wasser trinken und auch Pausen einlegen", sagt der Polier der Baustelle. Um dies zu gewährleisten, stellt die Firma Sax+Klee ihren Mitarbeitern fünf Kühlschränke mit alkoholfreien Getränken zur Verfügung. Außerdem schmieren sich die Arbeiter mit der hauseigenen Sonnenmilch ein. Kopfbedeckungen sind eigentlich Pflicht auf der Baustelle. "Ein Helm würde hier allerdings den Tod bedeuten." Deshalb arbeiten die meisten ohne Helme. Einige wenige tragen Kappen, die sie hin und wieder unter laufendes Wasser halten. Heute und Morgen dauert die Schicht von 6 bis 14 Uhr. Normalerweise arbeiten sie von 7 bis 16.30 Uhr auf der Baustelle.

Die Mitarbeiter in diversen Schuhgeschäften und Boutiquen haben es gut: Bei Temperaturen, die sich, wenn man von draußen kommt, anfühlen wie in einem Kühlraum, haben sie es noch am besten. Riesige Klimaanlagen sorgen für die Abkühlung. Im Sommer übrigens nur zum Vorteil: Kunden flüchten sich gerne in die kühlen Geschäfte und halten sich länger auf. Diese Zeit kann somit gut mit dem Shoppen verbunden werden.

Lukas Keller, der bei Planet Sports arbeitet, ist sehr zufrieden mit den Innentemperaturen. "Wir haben es echt noch am besten." In der Pause und nach der Schicht, trifft die Hitze jedoch wie ein Schlag. "In der Pause geht man dann doch mal raus. Das ist dann wirklich heftig. Mit dem Kreislauf bekommt man es dann auch mal zu tun."

Die beiden Polizisten Robin Buchheit und Melanie Kaiser aus dem Innenstadt Revier müssen auch auf Streife der Hitze trotzen. In voller Montur, mit Mütze , langen Hosen und dunkelblauer Schutzweste waren sie schon in den früheren Morgenstunden zwischen 5.30 und 12 Uhr auf Streife. Abkühlung verspricht nur die Klimaanlage im Streifenwagen. „Bei der Hitze sind die Leute empfindlicher und die Schwelle der Reizbarkeit ist niedrig“, sagt Kaiser. Unterwegs auf der Straße gönnen sich die beiden Streifenpolizisten aber keine Abkühlung.

    

Daniela Ossi, Betreiberin des Eiscafés Cortina, sagt, dass Temperaturen oberhalb der 30 Grad Celsius dem Geschäft eher schaden als dienen. "Die perfekten Temperaturen für eine Eisdiele liegen bei 25 bis 28 Grad." Für das Personal im Service bedeutet dies jedoch eher ruhigere Schichten. Dafür bleibt der Verkauf bis 23 Uhr offen. Denn sobald die Sonne verschwindet, kommen die Menschen aus den kühlen Orten und gönnen sich etwas Süßes. Besonders beliebt sind im Sommer Kaltgetränke und veganes Fruchteis. Während der Außenbereich komplett im Schatten liegt, werden innen kaum Maßnahmen gegen die Hitze getroffen. Bewusst haben sich die Betreiber gegen eine Klimaanlage entschieden: "Das führt sonst zu Krankheiten oder Kreislaufproblemen, bei den hohen Temperaturgefällen zwischen innen und außen." Stattdessen sorgt ein großer Ventilator im hinteren Bereich für Luftzirkulation.

Die Kinder der Maria-Montessori Schule freuen sich über das Eis, spendiert von Schulleiterin Alexandra Müller-Otto. Weil in ihrem Schulhof im Quadrat U2 nur ein Glasdach Schatten spendet, ist das Eis die einzige Abkühlung an diesem Tag. „Das Dach ist kein Schutz. Ich wundere mich, das noch kein Kind umgekippt ist“ , sagt Müller-Otto. Die Kinder dürfen den Schulhof wegen der Aufsichtspflicht nicht verlassen. In der Pause , die wegen der Hitze um 9.30 bis 10 Uhr stattfindet, gibt es für die 114 Schüler nur einen 22 Quadratmeter großen Streifen Schatten, auf den sie sich Zwängen. Weil das Klettergerüst und alle Sitzgelegenheiten aus Stahl sind, können die Kinder die heißen Stangen kaum anfassen, geschweige denn darauf sitzen. Im vergangenen Sommer, erzählt die Schulleiterin, hatten 6. Klässler die Temperatur unter dem Glasdach gemessen : 30-35 Grad herrschte dann unter dem einzigen Schattenplatz auf dem ganzen Schulhof. Weil der aber nicht Schulgelände sondern öffentliches Gelände ist und teils der Stadt gehört, darf die Schule ohne Absprache und Einwilligung nichts aufstellen.

Nico Beier und Sarah Töpfer verbringen einen Teil des Tages heute am Wasserturm. Ein Spagiergang im Wasser tut ihnen gut. "Im Schwimmbad ist es zwar besser, als lediglich die Füße im Wasser zu haben", sagt Töpfer. "Aber hier hat man wenigstens ein wenig Ruhe. Die braucht man bei der Hitze auch", ergänzt Beier. Letzterer hat die Arbeit für heute schon hinter sich, denn er ist halbtags beschäftigt.

Manuela Weid steht den ganzen Tag hinter der Wursttheke, die im Marktkauf an der KäfertalerStraße von Scheckin betrieben wird. Regelmäßig muss sie ins Kühlhaus - wo gerade mal 2,6 Grad herrschen.

„Wenn die gebratenen Hähnchen verkauft sind, mache ich für heute zu“, sagt Kamil Vargo, der Besitzer des Hähnchengrills mit Imbissbetrieb, der auf dem Parkplatz eines Lampertheimer Einkaufsmarktes steht. Denn am Nachmittag scheint die Sonne frontal in den Verkaufsraum, und dann bringt selbst der Einsatz von zwei Ventilatoren keine Hilfe mehr. „Derzeit nehmen die Kunden die Hähnchen mit nach Hause“, erklärt Vargo. „Ich bin Syrier und die heiße Luft gewöhnt, aber hier im Imbiss ist es doch noch etwas anderes“, betont Vargo, zückt ein Thermometer und misst in der Nähe des Grills 46 Grad.

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