Metropolregion

Rund 700 Demonstranten

Aufgeheizte Stimmung bei Demonstrationen in Kandel: Drei Polizisten leicht verletzt

Archivartikel

Kandel.Mehr als einen Monat nach Ende des Mordprozesses um den Tod der 15-jährigen Mia sind im südpfälzischen Kandel etwa 700 Demonstranten und Gegendemonstranten aufeinander getroffen. Das teilte die Polizei am Samstag mit. Einer ersten Einschätzung zufolge gab es keine größeren gewalttätigen Auseinandersetzungen. Am Abend meldeten die Beamten jedoch drei leichtverletzte Polizisten.

Demnach habe es eine Widerstandshandlung eines Mannes aus dem linken Spektrum gegeben, bei der die drei Polizeibeamten leicht verletzt worden seien. Zuvor sei es zu einer „Bedrohungshandlung“ durch den Mann gekommen. Zwei Personen des linken Spektrums hätten außerdem versucht, eine Absperrung zu durchbrechen. Anschließend habe eine der beiden Personen einen Diensthund der Polizei angegriffen und sei von diesem gebissen worden. Im Verlauf des Aufzugs des rechten Spektrums sei es außerdem zu einem Hausfriedensbruch sowie einem Pfefferspray-Einsatz der Polizei gekommen, um Veranstaltungsteilnehmer beider Spektren zu trennen.

Zu dem Protest gegen die Migrationspolitik der Regierung hatte eine als rechtspopulistisch geltende Gruppierung aufgerufen. Dem waren nach Polizeiangaben etwa 300 Personen gefolgt. Die Veranstalter hatten mit mindestens doppelt so vielen Teilnehmern gerechnet. Der Demonstrationszug durch Kandel startete mit mehr als einer Stunde Verspätung. Die Demonstranten zeigten Deutschlandfahnen aber auch Plakate. Auf einem hieß es etwa "Der Welt größtes Glück: Trump".

An zwei Gegen-Demonstrationen und weiteren kleineren Mahnwachen und Kundgebungen beteiligten sich laut Polizei etwa 400 Menschen. Die Kundgebungen verliefen zunächst ohne Zwischenfälle. Allerdings war die Stimmung zwischen den Gruppierungen aufgeheizt, die Gegendemonstranten störten die Kundgebung der Rechten durch laute Zwischenrufe und mit lauten Tröten. Es gab bis zum späten Nachmittag zunächst keine Ausschreitungen.

Um die politisch unterschiedlich ausgerichteten Gruppen auf Abstand zu halten, waren zahlreiche Polizeibeamte im Einsatz. In Kandel war es bei Kundgebungen in der Vergangenheit wiederholt zu Konflikten gekommen. Am Rande der Kundgebungen wurde jedoch eine Person von einem Polizeihund in die Hand gebissen. Zuvor sei das Tier getreten worden. Die näheren Umstände waren zunächst unklar, wie ein Polizeisprecher sagte.

Seit dem gewaltsamen Tod der 15 Jahre alten Mia am 27. Dezember 2017 in Kandel gibt es immer wieder Demonstrationen und Gegenkundgebungen. Das Landgericht Landau hatte am 3. September den vermutlich aus Afghanistan stammenden Flüchtling Abdul D. wegen Mordes und Körperverletzung an seiner früheren Freundin zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hat Revision gegen das Urteil eingelegt.

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