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Justiz Landgericht Darmstadt stuft Unfall auf dem Parkplatz Fuchsbuckel nicht als Fahrlässigkeit ein / Sechs Jahre und vier Monate Haft

Autobahnraser wegen Mordes verurteilt

Darmstadt.Auf der Flucht vor der Polizei raste er davon und verursachte auf dem Parkplatz „Fuchsbuckel“ an der A 5 zwischen Heppenheim und Hemsbach einen schweren Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang. Rund zehn Monate später hat das Landgericht Darmstadt den inzwischen 19 Jahre alten Fahrer wegen Mordes zu sechs Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Die Richter wandten am Montag Jugendstrafrecht an, das für Mord eine Höchststrafe von zehn Jahren vorsieht. Die Zweite Große Jugendkammer unter dem Vorsitzenden Richter Marc Euler folgte mit dem Schuldspruch wegen Mordes den Forderungen des Oberstaatsanwalts David Kirkpatrick, der aber neun Jahre Haft angestrebt hatte. Die Verteidigung hatte eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung beantragt und kündigte nach der Urteilsverkündung Revision an. Der Angeklagte nahm den Richterspruch ohne sichtbare Regung entgegen.

Der Vorsitzende Richter nahm sich viel Zeit, das Urteil der Kammer nach diesem „schwierigen Verfahren“ zu begründen. Immer wieder wählte Euler das Bild der Medaille, auf deren einen Seite sich die „schwerwiegenden, unvorstellbaren Folgen der Tat“ befänden: Ein 38 Jahre alter Vater hat seine Ehefrau verloren, ein zehnjähriger Junge, der für sein Leben gezeichnet ist, seine Mutter. „Jeder von uns hätte Opfer dieses verantwortungslosen Mannes werden könnte“, verdeutlichte Euler die Zufälligkeit.

Dem Angeklagten hielt das Gericht zugute, dass er sich in einer katastrophalen seelischen Lage befunden habe, in einer Abwärtsspirale. Für diese sei der 19-Jährige allerdings im Wesentlichen selbst verantwortlich gewesen. Auch am 30. Dezember 2018 habe D. alle Zeit und Gelegenheit gehabt, ohne Auto zur Freundin zu gelangen. Euler sagte dazu: „Es gab so viele Alarmsignale in ihrem Leben. Das macht Ihr Verhalten umso unverständlicher und die Folgen noch unerträglicher.“

In einem Schrottauto über die Autobahn zu rasen, dabei andere Fahrer zu bedrängen, rechts zu überholen – all das habe ein riesiges Gefahrenpotenzial in sich getragen. Der Angeklagte habe, anders als behauptet, gar nicht vorgehabt, sein Auto auf dem Fuchsbuckel abzustellen und zu Fuß weiter zu flüchten. „Sie wollten in Wahrheit den Parkplatz als Überholstreifen nutzen.“

Dabei habe D. damit rechnen müssen, dass sich auf dem Parkplatz nicht nur abgestellte Fahrzeuge befänden. „Die Abwägung aller Umstände lässt keinen Raum für Fahrlässigkeit.“ Deshalb sah die Kammer „bedingten Vorsatz“. Bei der Strafzumessung hätten sich neben der psychischen Verfassung des jungen Mannes zur Tatzeit auch sein Geständnis, die Entschuldigung an die geschädigte Familie, die sichtbare Reue sowie die eigene schwere Verletzung strafmildernd ausgewirkt. Demgegenüber stünden die schwerwiegenden Folgen der Tat und die Vorstrafen des 19-Jährigen. „Es kann nicht sein, dass Sie mit einem blauen Auge davonkommen. Die Gesellschaft fordert einen Schuldausgleich.“ (mb/lhe)

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