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Babymord-Prozess: Anklage fordert 15 Jahre Haft

Archivartikel

Frankenthal.Mehr als zweieinhalb Jahre nach Beginn des Frankenthaler „Babymord-Prozesses“ hat die Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht eine Verurteilung des angeklagten Vaters wegen Mordes gefordert. Anklägerin Doris Brehmeier-Metz ist überzeugt, dass der Mann seine kleine Tochter aus „übersteigerter Eifersucht“ vom Balkon aus dem zweiten Stock geworfen hat.

„Er dachte, das Kind nimmt ihm die Mutter weg“, sagte sie nach Sitzungsende. Die Anklägerin hat deshalb wegen Mordes, versuchten Mordes, Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung eine Haftstrafe von 15 Jahren gefordert. Von einer lebenslangen Haft habe sie abgesehen, weil der Angeklagte durch den Kokainkonsum nur eingeschränkt schuldfähig war.

Nebenklage-Vertreter Frank Peter, der die Mutter des getöteten Säuglings vertritt, sieht keinen Grund für eine Strafmilderung wegen des Kokainkonsums: „Wenn ein erfahrener Drogenkonsument in Anwesenheit eines Babys Kokain nimmt, bringt er damit das Kind in Gefahr und damit ist die Möglichkeit der Strafrahmenverschiebung zu seinen Gunsten nicht gegeben.“

Peter plädierte deshalb auf eine lebenslange Freiheitsstrafe. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Nebenklage beantragten wegen Fluchtgefahr den Erlass eines neuen Haftbefehls. Nach einer erfolgreichen Haftbeschwerde seines Verteidigers – unter anderem wegen zu langer Haftdauer - ist David L. seit Februar auf freiem Fuß. Trotz möglicher Spekulationen, er könne sich ins Ausland absetzen, ist er bislang stets pünktlich zu jedem Verhandlungstermin erschienen.

„Das könnte er aber jederzeit tun, es gibt keine Meldeauflagen und seinen Pass musste er auch nicht abgeben, weil der Untersuchungshaftbefehl aufgehoben, nicht ausgesetzt wurde“, erklärt Peter. Sollte die Große Strafkammer dem neuen Haftbefehl zustimmen, könnte David L. Nach Verkündung des Urteils direkt im Gerichtssaal wieder verhaftet werden.

Vor Beginn der Schlussvorträge berichtete der Angeklagte auf Nachfrage seines Verteidigers von den Haftbedingungen: „Ich habe meine Zelle aus Angst vor meinen Mitgefangenen eineinhalb Jahre lang nicht verlassen und war in dieser Zeit kein einziges Mal an der frischen Luft“, sagt der Mann in der schwarzen Kapuzenjacke. Er sei bedroht, erpresst und körperlich angegangen worden. „Ich war für alle nur der Kindermörder.“

Die ersten drei Monate seiner Untersuchungshaft habe er in einer Überwachungszelle verbracht. „Da brennt rund um die Uhr grelles Licht und alle 15 Minuten soll jemand reinkommen und nach einem sehen, das wird zwar nicht gemacht, aber schlafen kann man dort trotzdem nicht.

Die Öffentlichkeit war für die Dauer der Plädoyers ausgeschlossen worden. Erst im Anschluss beantworteten die Beteiligten Fragen zu ihren Anträgen. Das Plädoyer der Verteidigung ist für Freitag vorgesehen, allerdings wird Rechtsanwalt Alexander Klein seine Sicht der Dinge ebenfalls hinter verschlossenen Türen darstellen. Das Urteil fällt voraussichtlich am kommenden Mittwoch, 15. Mai.