Metropolregion

Justiz Im Frankenthaler Prozess um die Entführung und Tötung von zwei Geschäftsmännern berichtet ein Lkw-Fahrer von der Lösegeldübergabe in Mannheim

„Berlin Grundstück 25“ als Kennwort benutzt

Frankenthal.Eine Frau im dunklen Kapuzenmantel nennt eine mysteriöse Parole, nimmt in der Neckarauer Straße in Mannheim eine Aktentasche mit 975 000 Euro entgegen und verschwindet im Dunkel der Januarnacht. Im Prozess um die kaltblütige Verschleppung und Ermordung von zwei Unternehmern aus Brühl und Ludwigshafen deutet der Überbringer des Lösegeldes auf jene Frau, die an den Füßen gefesselt auf der Anklagebank des Frankenthaler Landgerichts sitzt. „Das ist sie“, sagt der Lastwagenfahrer und erzählt als Zeuge, wie er seinem Freund Ismail Torun nur bei der Abwicklung eines Immobiliengeschäfts helfen wollte.

„Ismail hat mich angerufen und gesagt, ich brauche Dich, weil ich in Berlin für eine Million Euro einen Platz kaufen möchte. Das Grundstück sei drei bis dreieinhalb Millionen Euro wert – es war also ein gewinnbringendes Geschäft.“ Torun habe öfter solche Käufe abgewickelt, deshalb habe er sich nichts dabei gedacht. Zumal sein Freund am Telefon wie immer war, man sich gegenseitig aufgezogen und gelacht habe. „Ich sollte in seinem Büro Geld von verschiedenen Leuten entgegennehmen und eine Liste anlegen.“ Mit Toruns Sohn Eyüp sei er außerdem zur Bank gegangen und habe 200 000 Euro vom Geschäftskonto abgehoben. „Ismail hat uns zwischendurch angerufen und gefragt, wie weit wir sind“, erzählt er.

Schließlich habe Torun ihn mit dem Geld zu einer Adresse in der Neckarauer Straße dirigiert. „Ich dachte, dass er mich dort treffen will. Doch dann ist diese Frau gekommen, und hat gefragt, ob ich ein Paket für sie habe.“ Das sei ihm seltsam vorgekommen. „Ich habe meine Autotüren verriegelt und ihr gesagt, dass ich nichts für sie habe.“

Im Rückspiegel beobachtet der 57-Jährige, wie die Frau telefoniert. Kurz darauf meldet sich Ismail Torun. „Ich musste sie nach der Parole fragen – Berlin Grundstück 25 lautete sie – und er hat am Telefon mitgehört.“ Tatsächlich habe die Dame im dunklen Mantel das Kennwort genannt. „Da hat er gesagt, dass alles in Ordnung ist und ich ihr das Geld geben soll“, sagt der stämmige Mann. Im Hintergrund habe er aber noch eine andere Stimme gehört. „Wenn Torun nicht darauf bestanden hätte, hätte ich das Geld nie hergegeben.“

Mobiltelefon abgeschaltet

Doch sein Freund habe ihn beruhigt: „Geh’ nach Hause, leg’ Dich hin, wir frühstücken morgen zusammen.“ Also sei er heimgefahren. „Aber ich habe mich geärgert, dass er mich in Sachen verwickelt, wo viel Geld in einer dunklen Straße übergeben wird. Deshalb habe ich ihn später noch mal angerufen. Es hat auch geklingelt, aber er ist nicht dran gegangen.“ Zu dieser Zeit war der Unternehmer laut Anklage nicht mehr am Leben.

Als Toruns Mobiltelefon bei seinem nächsten Versuch ganz abgeschaltet war, habe er gewusst, dass etwas nicht stimmt und Toruns Söhne verständigt. Mit Freunden habe man sich im Büro getroffen: „Alle redeten auf mich ein, wie ich das Geld nur übergeben konnte, wo doch Mario (der Brühler Automatenaufsteller – Anmerkung der Redaktion) auch wegen Geld umgebracht worden ist.“ Schließlich sei man zur Stelle der Übergabe nach Mannheim gefahren, um die Unbekannte zu suchen, und später zur Polizei.

Von blutbefleckter Kleidung, Essensresten, Betten, haufenweise leeren Pfandflaschen und mit Folie verklebten Fenstern berichtet ein 33-jähriger Ludwigshafener, der im Auftrag des jüngeren Angeklagten, Hüseyin T., zweimal jene Lagerhalle gereinigt haben soll, in der die Opfer gefangengehalten wurden. Zudem habe er eine Packung Kabelbinder für T. aufbewahren müssen, was ihm komisch vorkam. 100 Euro habe dieser ihm für das Putzen der Halle bezahlt und vor jedem Einsatz durfte er sich beim Bäcker etwas zu essen kaufen. „Er war ein netter Chef.“

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