Metropolregion

Landwirtschaft Rebstöcke in Pfälzer Weinbergen hängen voll wie selten / Witterung begünstigt Entwicklung und Wachstum

Beste Voraussetzungen für frühe Lese

Archivartikel

Neustadt.Nach einigen eher mageren Jahren dürfen die Winzer an der Deutschen Weinstraße in diesem Jahr auf einen „großen Herbst“ hoffen. Die Rebstöcke tragen schwer an den heranwachsenden Trauben, und deren Wachstum deutet auf einen frühen Erntebeginn hin. „Wir können nach heutigem Stand von einer Lese der früh reifenden Müller-Thurgau-Trauben schon um den 1. September ausgehen,“ sagte Weinbauexperte Jürgen Oberhofer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt.

Während der relativ kurzen Rebblüte gab es nirgendwo Frost – die Rebstöcke danken es mit einem ungewöhnlich starken Behang. Da nun allenfalls Hagel punktuell den Winzern das Leben schwer machen könnte, ist allenthalben ruhige Gelassenheit in die Weingüter eingezogen. Bereits Mitte August dürften die ersten Winzer Trauben für „neuen Wein“ in die Fässer bringen. Der frühe Termin hat allerdings eine Kehrseite: „Wenn es noch zu warm ist, wird kaum einer neuen Wein wollen,“ meint Oberhofer.

Die meisten Trauben hängen in diesem Jahr nicht kompakt am Stängel, sondern eher locker – was zur Folge hat, dass sie wegen der Luftdurchlässigkeit weniger anfällig für Nässe und damit verbundene Fäulnis sind. „Wenn alles gut geht, gibt es dann auch qualitativ einen großen Herbst,“ wagt Oberhofer eine vorsichtige Prognose, warnt jedoch vor allzu großem Optimismus: „In den nächsten zehn Wochen kann noch viel passieren. Hoffen wir auf eine weiterhin freundliche Natur.“

Kaum Kirschessigfliegen

Unterdessen hat sich die Kirschessigfliege in diesem Jahr bislang nicht zur Plage für die Landwirte entwickelt. „Wir haben in unseren Fallen bisher nur wenig Exemplare entdeckt“, sagte Stefanie Alexander, Biologin am DLR. Die Fliege befällt unter anderem Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren und Trauben. In den vergangenen Jahren sorgte sie auch in Rheinland-Pfalz für Schäden. Für Landwirte und Gärtner ist es schwierig, den Schädling wirksam zu bekämpfen.

Mithilfe sogenannter Monitoringfallen versucht das Land sowohl in Rheinhessen als auch in der Pfalz die Population der Fliegen zu erfassen. Dass sich darin zurzeit kaum Kirschessigfliegen befinden, bedeutet nach Angaben von Stefanie Alexander nicht, dass nur wenige Exemplare den Winter überlebt haben. Es könne sein, dass selbst nach einem strengen Winter zahlreiche Fliegen überlebt hätten.

Für eine Entwarnung sei es aber zu früh, sagt die Expertin. „Zurzeit ist die Population noch sehr gering. Das kann sich mit dem Wetter aber ändern.“ So profitiere der Schädling von kühler Witterung um 20 Grad bei hoher Feuchtigkeit. Weniger schätzt die aus Asien eingewanderte Fruchtfliege trockene Hitze, wie sie zurzeit herrscht.