Metropolregion

BASF-Prozess Frankenthaler Landgericht verurteilt 63-Jährigen nach Explosion mit fünf Toten / Fahrlässige Tötung und Körperverletzung

Bewährungsstrafe für Schlosser

Archivartikel

Frankenthal.Ein Arbeiter aus Mannheim setzt bei Routinearbeiten einen kleinen Schnitt in die falsche Rohrleitung und löst damit ein verheerendes Inferno mit fünf Toten und 44 Verletzten auf dem Gelände der BASF in Ludwigshafen aus. Das Frankenthaler Landgericht verurteilt am Dienstag den 63-Jährigen im Prozess um das Explosionsunglück zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Die Kammer geht allerdings von einer „Mitverantwortung“ des Chemiekonzerns aus, was sich strafmildernd für den Angeklagten auswirke.

Für den Vorsitzenden Richter Uwe Gau steht zweifelsfrei fest, dass menschliches Versagen die Katastrophe im Oktober 2016 ausgelöst hat. So sollte der Schlosser als externer Mitarbeiter ein entleertes Rohr zerlegen. In einem Moment der Unaufmerksamkeit habe er seinen Trennschleifer stattdessen an einer Butan-Leitung angesetzt. „Seine Kollegen hören das Kreischen der Flex, einen Knall, lautes Rauschen und ihr Kollege steht in Flammen.“

„Hier sitzt kein Krimineller“

Nach dem fatalen Fehler sei nichts mehr zu retten gewesen. Als die Werksfeuerwehr eintrifft und einen mobilen Wasserwerfer aufbauen will, explodiert die Ethylenfernleitung durch die Hitze und reißt vier Feuerwehrleute und einen Matrosen in den Tod. Aufgrund dieses Augenblicksversagens verurteilt die Kammer den Mann aus Bosnien-Herzegowina wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. Über das Strafmaß könne man anderer Meinung sein. Es sei der Kammer sehr schwergefallen, sich festzulegen. Zudem macht der Vorsitzende klar: „Hier sitzt kein Krimineller, er hat das nie und nimmer gewollt.“ Der Schlosser sei bei dem Unglück selbst schwer verletzt worden, könne nicht mehr arbeiten und gelte zu 70 Prozent als behindert.

Was die Mitverantwortung des Chemieunternehmens angeht, betont Gau, dass die BASF aus einem Fehlschnitt in eine Ammoniakleitung 2011 bereits mit einem solchen Fehler habe rechnen müssen. Auch aus einer Großschadensübung 2015, die ein ähnliches Szenario hatte wie das Unglück, seien bei der BASF nicht die angebrachten Konsequenzen gezogen worden. „Wenn es Überlegungen zu einer neuen Gefährdungsanalyse im Rohrgraben gab, dann sind sie jedenfalls nicht bei dem Arbeiter und seiner Flex angekommen“, so Gau.

Der Werksleiter am BASF-Standort Ludwigshafen, Uwe Liebelt, betont, dass der Konzern Lehren aus dem Unfall gezogen habe. „Wir werden alles dafür tun, dass sich so ein Unglück nicht wiederholt. Unsere Sicherheitsmaßnahmen werden wir kontinuierlich weiterentwickeln. Sicherheit hat bei BASF Vorrang.“

Zum Thema