Metropolregion

Prozess Angeklagte Viernheimer schweigen

Blitzer gesprengt

Bensheim.Gesprächig sind die drei Angeklagten nicht, die seit Montag vor dem Bensheimer Amtsgericht stehen. Da die 25, 27 und 47 Jahre alten Männer in der Silvesternacht 2018 zwei Radartürme in der Viernheimer Innenstadt gesprengt haben sollen, müssen sie sich wegen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion verantworten.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Drei bei einer Silvesterparty die in Deutschland verbotenen „Polenböller“ mit starkem Klebeband an den beiden Blitzern in der Friedrich-Ebert-Straße befestigt und angezündet haben. Durch die enorme Wucht der Detonation seien die Messstationen erheblich beschädigt worden. So wurden die Verkleidungsbleche samt Schrauben aus der Verankerung gerissen, die Innenteile der Anlage freigelegt und die Stromzufuhr unterbrochen. Eine Tempomessung sei danach nicht mehr möglich gewesen. Den Schaden schätzt der Ankläger auf etwa 26 000 Euro. Bei einer Hausdurchsuchung hatten Ermittler bei dem 25-Jährigen zudem 25 verbotene „Dinosauriereier“-Knaller sichergestellt.

Wäschekorb voller Böller

Was hinter der Attacke auf die Blitzer steckt, bleibt beim Prozessauftakt unklar, da sich die Männer, die als Gärtner, Schlosser und Fahrzeuglackierer arbeiten, in Schweigen hüllen. Auch Fragen nach ihren Fahrzeugen beantworten sie nicht.

Der Stiefvater des 25-Jährigen erzählt indes von einem Wäschekorb, in dem bei der Party sämtliche Knaller gesammelt worden waren. Er selbst habe verbotene Kracher mitgebracht, die er bei einer Reise nach Polen gekauft habe. „Die ,Bumm-Bumm-Böller’ werden dort in Bretterbuden an jeder Straßenecke verkauft. Aber die Dinger sind nicht ohne, deshalb habe ich sie nicht dazugelegt und auf einen Feldweg abgefeuert.“ Von der Sprengung der Blitzer habe man ihm erzählt, mehr aber nicht. Da ein entscheidender Zeuge gar nicht erst erscheint, wird der Prozess bis 22. November unterbrochen. Dann soll der Mann von der Polizei vorgeführt werden.

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