Metropolregion

Explosiver Fund

Bombe im Wormser Industriegebiet schnell entschärft

Archivartikel

Worms.„Die Größe der Bombe spielt für uns keine Rolle“, sagt Peter Kappler. Der Experte des Kampfmittelräumdienstes Rheinland-Pfalz hat gerade mit seinen Kollegen einen explosiven Fund auf dem Gelände des Bauunternehmens Tekin im Wormser Industriegebiet Nord unschädlich gemacht. „Mich interessiert nur der Zünder“, erläutert Kappler. Denn wenn der erst vom Sprengstoff getrennt ist, kann die Bombe keinen Schaden mehr anrichten. Alleine der Aufschlagzünder dieser Bombe habe die Sprengkraft einer Handgranate und löse im Normalfall die größere Explosion des Bombeninhalts aus.  An diesem Freitag hat alles planmäßig geklappt. Das Team hat den Zünder zunächst mit dem handelsüblichen Rostlöser W 40 eingesprüht und dann vorsichtig herausgeschraubt. 35 Minuten haben die Sprengstoffexperten dafür gebraucht, dann gaben sie Entwarnung.

Dass es sich diesmal nur um den Teil einer ursprünglich 250 Kilo schweren US-Fliegerbombe gehandelt hat, machte die Sache nicht mehr oder weniger gefährlich. Immer sind noch 65 bis 70 Kilo  Sprengstoff in dem stählernen Rumpf enthalten. Vermutlich ein Fabrikationsfehler habe verhindert, dass die Bombe komplett explodiert sei, erläutert Kappler. Es könnten Risse im Stahlmantel gewesen sein, die beim Aushärten entstanden. Deshalb detonierte die tödliche Waffe nicht, sondern brannte mit Unterschallgeschwindigkeit ab. Aber eben nicht komplett.  

Wo die Bombe die letzten 75 Jahre gelegen hat, weiß niemand so genau. Sie ist wohl unentdeckt mit einem Lkw auf das Firmengelände gefahren worden. Dort lag  sie dann in einem Haufen von Erdaushub, Steinbrocken und Holz. Mitarbeiter der Firma Tekin hatten sie beim Auseinanderziehen des Erdhaufens entdeckt. Man habe erst gedacht, es handle sich um Metallschrott, aber dann habe eine Mitarbeiterin die Vermutung geäußert, es könne sich um eine Bombe handeln. Die Tekins hätten den Fund dann sofort der Polizei gemeldet, berichtet Koray Tekin, Sohn von Firmenchef Kasim Tekin. Die Beamten baten um Fotos des Fundes und wiesen die Firma sofort an, alle Arbeiten auf dem Gelände einzustellen.

Für die Tekins ist es nicht die erste Bekanntschaft mit einer Bombe. Vor zwei Jahren grub ein Baggerfahrer auf einer Baustelle des Unternehmens schon einmal eine explosive Hinterlassenschaft des Zweiten Weltkriegs aus. Wo der aktuelle Sprengkörper herstammt, kann Kasim Tekin allerdings nicht sagen. Auf seinem Grundstück würden täglich 200 Tonnen Material umgeschlagen. Sie komme aber wahrscheinlich aus dem Großraum Worms.

Die Stadt hat an diesem Freitagnachmittag im Industriegebiet Nord ein Gebiet im Radius von 280 Meter evakuiert. Betroffen sind elf Firmen, ein Wohnhaus und die Bundesstraße 9, Hauptverkehrsachse im Wormser Norden. Der Verkehr fließt zähflüssig über die Umleitungsstrecke, aber er fließt. Ein Lkw-Fahrer sorgt mitten in der Entschärfung für einen kurzen Schreckmoment, weil er im gesperrten Bereich plötzlich losfährt. Er wird aber sofort von dem Beamten des Wormser Ordnungsamtes in Obhut genommen.

Um 14.29 Uhr gibt der Warndienst Katwarn Entwarnung. Die B 9 wird wieder geöffnet. Der Kampfmittelräumdienst lädt die fest verzurrte und nun harmlose Bombe auf seinen Lkw und fährt sie in ein Zwischenlager nach Koblenz. Später kommt das Fundstück nach Munster in der Lüneburger Heide. Dort wird die Bundeswehr die einstmals tödliche Waffe in ihre Einzelteile zerlegen.     

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