Metropolregion

Brauchen wir noch einen Freiwilligentag in der Metropolregion?

Ist es übertriebener Aktionismus oder tatsächlich die Gelegenheit, gemeinschaftlich Gutes zu tun, wenn man sich nicht längerfristig an Vereine oder Organisationen binden will? Brauchen wir noch einen Freiwilligentag in der Metropolregion?

Pro

von unserem Redaktionsmitglied Michaela Roßner

Ohne Ehrenamtliche könnten kein Verein und keine Kommune existieren: Zigtausende engagieren sich viele Stunden im Jahr für andere, manche sogar ihr ganzes Leben lang. Doch oft sind es eben auch immer dieselben, auf deren Schultern Feste vorbereitet, Jugendtraining organisiert oder Ausflüge geplant werden. Sie bleiben unter sich, oft achselzuckend, manchmal frustriert. Der Freiwilligentag bietet Neulingen die Chance, mal unverbindlich anzutesten, wen man so trifft an der Freiwilligenfront.

Dabei geht es weniger um den Zaun oder Spielplatz, der an diesem Tag aufgemöbelt wird. Das „Wir“-Gefühl zählt, nette Bekanntschaften entstehen und das schöne Gefühl, am Ende etwas gemeinsam geschafft zu haben. Neu Zugezogene knüpfen vielleicht die Kontakte, um sich weiter zu engagieren. Wer dazugehört, bringt sich gerne ein.

Beruf und andere Verpflichtungen lassen heute selten viel Zeit übrig. Sich auch in der Freizeit langfristig einbinden zu lassen, scheut mancher daher. Das ist nachvollziehbar. Einen Tag alle zwei Jahre für Gemeinnütziges zu investieren, ist aber in jedem Fall besser als gar nicht.

Kontra

Von unserem Redaktionsmitglied Klaus Neumann

„Wir schaffen was!“ Na klar, beim Freiwilligentag wird mit Sicherheit etwas geschafft. Hier zwei Stunden einer hässlichen Bank einen neuen Anstrich verschaffen, da drei Stunden Unkraut jäten. Auch bei der sechsten Auflage gibt es wieder viele Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Alles zeitlich überschaubar an einem einzigen Tag! Das ist gut fürs Gewissen. Anschließend gibt es zum Lohn ein T-Shirt und der Kollege lichtet die fleißigen Helfer ab. Aber gelebtes Ehrenamt sieht anders aus.

Es ist die langjährige Bereitschaft zur Übernahme von Aufgaben für die Gemeinschaft, die bürgerschaftliches Engagement ausmachen. Es gibt Gott sei Dank immer noch Menschen, die ihre Freiwilligentage nicht mehr zählen können. Wenn diese pro Tageseinsatz ein T-Shirt bekämen, würden sie eine Strecke von München bis Hamburg pflastern können. Sie halten eine Gemeinschaft am Leben. Und in Zeiten immer größerer Bürokratisierung sollten die Ehrenamtlichen Unterstützung erfahren. Allzu viele Auflagen und Hürden machen das Engagement nämlich madig. Vielleicht bietet der Tages-Schafftag die Gelegenheit, darauf hinzuweisen.

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