Metropolregion

US-Wahl Pfälzer wünschen sich mehr Vernunft und Gelassenheit im Weißen Haus

„Bringt euren Saustall in Ordnung“

Archivartikel

Rhein-Neckar.Gedankenspiele zwischen Hoffen und Bangen, „alternative Wirklichkeiten“ oder die bittere Erkenntnis, dass die aufgeheizte Stimmung den amerikanischen Kessel zum Überkochen bringen kann, beschäftigen viele Pfälzer am Mittwoch. Alle eint der Wunsch, dass es in den USA friedlich bleibt.

„Egal wie die Wahl ausgeht, es hat Auswirkungen für uns“, sagt Kult-Comedian Christian „Chako“ Habekost, der ein eher kritisches Verhältnis zu den USA pflegt. „Amerika hat sich schon immer als Weltpolizist aufgespielt. Donald Trump ist allerdings der erste Präsident, der schonungslos zeigt, was ,America first‘ bedeutet und was hinter den Kulissen abläuft. Das war bei anderen Präsidenten nicht so offensichtlich.“ Wenn er in Richtung Ramstein blickt, wo heute das größte US-Krankenhaus und der größte US-Flughafen außerhalb von Amerika liegen, müsse er direkt werden: „Das ist der Pfahl im Pfälzer Fleisch und hat mit uns friedliebenden Menschen hier nichts zu tun.“

Trump mag keinen Wein

„Pfälzer haben die Mentalität, lieber zusammen ein Glas Wein zu trinken und die Dinge versöhnlich zu besprechen, als sich unnötig zu fetzen. Ich kann mir richtig vorstellen, wie sich mein Urgroßvater mit Trumps Ahnen auseinander gesetzt hätte“, erzählt der Dürkheimer Winzer Johann Fitz. Unglücklicherweise trinke Donald Trump keinen Wein, „das ist vielleicht das Problem“. Fitz besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft, weil seine Mutter aus Amerika stammt. Bei der US-Wahl hat er in deren Heimat Kalifornien abgestimmt, wo er selbst acht Jahre lang gelebt und gearbeitet hat. „Für mich geht es auch um ganz wirtschaftliche Dinge. Mein USA-Exportanteil lag bei 15 Prozent, durch die Strafzölle ist er fast auf null zurückgegangen.“ Für Fitz wäre es wichtig, dass sich die Situation normalisiert und wieder Vernunft und Weitsicht ins Weiße Haus einkehren. „Trump hat die Strategie, so viele Skandale um unglaubliche Nichtigkeiten aufzutürmen, dass man den Überblick und wichtige Dinge wie den Klimaschutz aus den Augen verliert.“

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Pfälzer Gelassenheit würden sich die beiden Landauer Filmemacher Christian Schega und Benjamin Wagener für die zukünftigen Beziehungen über den Atlantik wünschen. Bei den Dreharbeiten zu ihrem Kinofilm „Hiwwe wie Driwwe“ über den Dialekt der Pfälzer Auswanderer in Amerika – das „Pennsylvania Dutch“ – habe man viel über Land und Leute gelernt. „Der Vater von unserem Hauptdarsteller ist überzeugter Republikaner und hat deshalb Trump gewählt, obwohl er ihn überhaupt nicht gut findet“, sagt Schega. Dass Donald Trump sich während der laufenden Auszählung zum Sieger erklärt, sei wie eine Realsatire: „Das birgt viel Sprengstoff in einem ohnehin schon destabilisierten Land, wo es immer häufiger zu Ausschreitungen kommt. Viele Menschen sind bis an die Zähne bewaffnet und die Stimmung war ohnehin schon sehr aufgeheizt. Für uns fühlt sich das an wie ein Kessel, der kurz vor dem Überkochen steht.“

Bürgerkrieg nach Prunksitzung

Das empfindet auch Schauspieler Alexis Bug so. Der gebürtige Schifferstadter erzählt in seinem Drei-Personen-Stück „Kallstadter Saukerl“, wie die Weltgeschichte weitergegangen wäre, wenn Donald Trumps Großvater in Kallstadt geblieben wäre und eine Kette von Frisörläden aufgemacht hätte: „Mein ,Toni‘ ist Donald Trump minus USA. Am Ende provoziert er als Büttenredner bei der Dorffasnacht eine Saalschlacht und ich fürchte, das ist genau das, was wir jetzt erleben werden. Die Präsidentschaft war die Prunksitzung und jetzt folgt ein Bürgerkrieg.“

Als Lügner würde Bug Donald Trump übrigens nicht bezeichnen. „Ein Lügner kennt die Wahrheit und sagt bewusst etwas Falsches. Trump hat überhaupt keine Beziehung zur Wahrheit, er sagt einfach alles, was ihm nutzt. Wie mein Saukerl babbelt er einfach nur dumm. Deshalb akzeptieren auch wir lieber die alternative Wahrheit: Trump tobt künftig nur noch im Mannheimer Capitol und nicht in dem in Washington.“

„Chako“ Habekost bleibt bei der Realität und appelliert: „Bringt euren Saustall in Ordnung, dann können wir wieder Freunde sein.“

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