Metropolregion

Oldtimerschau im Schlossgarten

„Councours d’Elegance“ in Schwetzingen: Zwischen Feinsinn und Imposanz

Archivartikel

Schwetzingen.Wenn sich bis zum Sonntagabend mehr als 180 automobile Klassiker aus über einem Jahrhundert im Schwetzinger Schlossgarten versammeln, ist nicht nur die Zeit für den 14. Internationalen „Councours d’Elegance“, sondern auch und besonders all jene Oldtimer-Enthusiasten gekommen, sich an der PS-getriebenen Pracht kaum satt sehen können. Denn vom historischen DeDion Bouton aus dem Jahre 1908 bis zum feuerroten Ferrari 308 liegen nicht nur knappe acht Jahrzehnte, sondern auch ein technischer Sprung, der sich in der Spargelstadt zwischen Feinsinn und Imposanz stilsicher nachvollziehen lässt.

Dass die ausgestellten Schmuckstücke dabei mitnichten aus dem frühen 20. Jahrhundert stammen müssen, um die Blicke der Neugierigen auf sich zu ziehen, beweist Rainer Sauer, der mit seinem Mercedes 280SL für Aufsehen sorgt. Denn den Goldschmied aus Mannheim hat es keineswegs mit dem Klassiker nach Schwetzingen gezogen, wie er in den 60er und 70er Jahren schier endlos an Popularität gewann – in einem edlen Kupfer-metallic-Ton funkelt stattdessen einer der raren Umbauten des Münchener Tuners „Koenig Specials“ in der Sonne, der seinen Besitzer kaum aus dem Lächeln herausbringt. Denn auch, wenn Sauer schon seit jungen Jahren auf der Jagd nach seltenen Modellen mit dem Stern ist: Dieser mit einem opulenten Breitbausatz ausgestatteten SL war selbst für den Sammler ein echter Glücksgriff und nicht weniger als „die Erfüllung eines Traums“.

Wer sich Sauers Modell näher betrachtet, braucht nicht lange, um die Faszination zu begreifen, die dieses lange Cabrio ausstrahlt. Von den aufgebohrten Kotflügeln, die den Mercedes unter dem Typ 107 in epochaler Breite fast schon zum Flugzeug erheben, über die goldverstrebten BBS-Felgen bis hin zum gigantischen Heckflügel, der nachfolgende Sportwagentuner nachhaltig prägte, steht dieses selten gewordene Modell für einen Pioniergedanken, der sich von der Marke Koenig aus ebenso international wie kontinuierlich fortsetzte. „Als Goldschmiedemeister, der seinen Kunden etwas Einmaliges bieten will, hat es mir unendlich viel bedeutet, ein Auto erwerben zu können, das diesen Gedanken auf so einzigartige Weise verkörpert“, schwärmt Sauer – und meint damit auch die Geduld, die er aufbringen musste, um seinen Traumwagen 1989 endlich erwerben zu können.

Seither ist der Sechszylinder für den Mannheimer zum unverkennbaren Favoriten avanciert: Da mag er noch ein Dutzend andere Autos mit dem Stern in seiner Garage stehen haben – „dieses Schmuckstück ist einfach etwas Unersetzliches.“

In die Vitrine hat Rainer Sauer sein Unikat trotz allem nie gestellt. In den fast drei Jahrzehnten, die er sein offenes Fahrzeug nun fährt, hat er mit dem 185 PS starken Motor Belgien erkundet und Dänemark durchfahren, tausende Kilometer durch Schweden und Frankreich auf die Uhr gebracht, um doch keine einzige Sekunde am Steuer zu bereuen: „Wenn mir mit 220 Sachen der Wind auf der Landstraße um die Nase weg und im nächsten Ort die Menschen ihre Kameras aus den Häusern holen, um mein Auto zu fotografieren, ist das einfach ein unglaubliches Gefühl.“

Was Rainer Sauer dabei nicht wissen kann: Seine Anekdote zwischen regionaler Verbundenheit und internationalem Anspruch schreibt ein Kapitel genau jener Geschichte, die der „Concours d’Elegance“ seit fast 15 Jahren kultiviert. Wegweisend.