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Glücksspiel Die Spielbank Bad Dürkheim feiert ihren 70. Geburtstag / Konzession wird erstmals neu ausgeschrieben

Das klassische Roulette leidet

Archivartikel

Bad Dürkheim.Glück und Pech liegen am Bad Dürkheimer Schlossplatz eng beieinander. Spielbank- Chef Michael Seegert erinnert sich, wie sich ein Stammgast einmal an einem Abend 700 000 Mark erspielte – der höchste Einzelgewinn in der Geschichte des Hauses. Ein anderes Mal dagegen verlor derselbe Herr an einem Abend 300 000 Mark, reichte dem Croupier die Hand und verabschiedete sich formvollendet: „Meine Herren, es war mir ein Vergnügen.“

Eine Menge Geschichten ranken sich um die Spielbank im Bad Dürkheimer Kurhaus, die gerade ihren 70. Geburtstag feiert. Am 9. September 1949 warf die Mutter des französischen Militär-Gouverneurs die erste Roulette-Kugel. Einen Tag später begann der öffentliche Spielbetrieb im Kurhaus als Zweigstelle der Spielbank in Bad Neuenahr.

Bad Dürkheim ist die dritte Spielbank, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland die Konzession erhielt. Und just zum 70. Geburtstag muss sich die Betreibergesellschaft um die Verlängerung der Konzession für das staatlich regulierte Geschäft mit dem Glück bewerben.

Seit 33 Jahren ist Seegert Geschäftsführer der Spielbanken in Bad Neuenahr, Bad Dürkheim und am Nürburgring. Bad Dürkheim ist der bedeutendste Standort. Seit 2017 gehören über eine Tochtergesellschaft auch die Casinos in Mainz, Trier und Bad Ems dazu. Seegert hatte sich damals auf eine Ausschreibung beworben und den Zuschlag bekommen. Die Unterlagen füllten vier prall gefüllte Aktenordner. Deshalb weiß Seegert sehr genau, was auf ihn zukommt: Das zweistufige Verfahren prüft zunächst die finanzielle Eignung, die Leistungsfähigkeit und die geordneten Verhältnisse. In einem zweiten Schritt geht es um den Wettbewerb der Konzepte.

Eine EU-Richtlinie schreibt seit zehn Jahren vor, dass der Betrieb von staatlichen Spielbanken an eine auf 15 Jahre befristete Konzession gebunden ist. Damit müssen sich die Betreiber der Bad Dürkheimer Einrichtung erstmals überhaupt dem Wettbewerb stellen. Und Wettbewerber gibt es genug, weiß Seegert. Private Spielothekenbetreiber seien sehr interessiert am Einstieg ins staatlich reglementierte Glücksspiel. Aber Seegert wirft die jahrzehntelange Erfahrung in die Waagschale. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Wir arbeiten seit 70 Jahren ohne Skandale“, sagt er.

Neuer Staatsvertrag

Wenn auch in den vergangenen Jahren unter erschwerten Rahmenbedingungen: Seit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag müssen sich auch Spieler an den Automaten registrieren lassen – zum eigenen Schutz. Schließlich ist Spielsucht eine anerkannte Krankheit. Die Folge: Viele Gäste blieben weg, die Spielbanken verloren im Schnitt 40 Prozent. Und die Spieler seien nun – unkontrolliert und unreguliert – im Internet unterwegs, weiß Seegert.

„Der Spieltrieb steckt in jedem Menschen. Um diesen Trieb zu kanalisieren, muss man Angebote bereithalten“, erläutert Seegert, warum es überhaupt staatlich organisiertes Glücksspiel gibt. Und obwohl der Staat Glücksspiel eigentlich ablehnt, verdient er ganz gut daran: 86 Prozent der Einnahmen mussten Spielbanken vor dem neuen Staatsvertrag abgeben. Seit den gesetzlichen Erschwernissen ist die Spielbankenabgabe gesunken. In Rheinland-Pfalz beträgt sie derzeit rund 60 Prozent.

Wieviel Umsatz und Gewinn die Spielbank Bad Dürkheim einfährt, will Seegert nicht öffentlich sprechen. Eine Kennzahl spricht jedoch für sich: In den 70 Jahren ihres Bestehens hat der Staat durch die Spielbankabgabe aus Bad Dürkheim rund 500 Millionen Euro erhalten.

Fast acht Millionen Besucher hatte die Spielbank insgesamt. Dabei leidet das klassische Spiel an den vier Roulette- und zwei Black Jack-Tischen immer mehr. Viele Gäste kämen zum Anschauen, blieben aber am Schluss an den Automaten hängen. Mittlerweile wird mehr als 80 Prozent des Geschäfts hier gemacht.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/region

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