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Menschen Dreijähriger Junge aus Oberzent im Odenwald seit November erkrankt / Existenzangst durch Coronavirus

Diagnose Leukämie: Die Pandemie erschwert alles

Oberzent.„Es wird ein langer und steiniger Weg, aber wir haben die Hoffnung, dass Lenn wieder ganz gesund wird“, sagt Jana Morr optimistisch. Der Dreijährige ist an Leukämie erkrankt, was schon in „normalen Zeiten“ eine niederschmetternde Diagnose wäre. Während der Corona-Pandemie ist aber alles nochmal viel heftiger. Nicht nur die Gesundheit ihres Sohnes treibt die 29-jährige Odenwälderin aus dem Oberzent-Stadtteil Rothenberg um, sondern die Familie sieht auch ihre Existenz gefährdet. Lenn hat noch einen kleinen Bruder, Milo, gerade einmal zehn Monate alt.

Die niederschmetternde Diagnose kam Anfang Dezember. Eigentlich gab es nur ganz wenige Vorzeichen, erzählt Jana Morr. Lenn hatte ein paar blaue Flecken, die über Nacht mehr wurden. Ihr Mann Alexander fuhr vorsichtshalber in die Kinderklinik, um alles abzuchecken. Dort wurde dem 35-Jährigen nach eingehender Untersuchung mitgeteilt, dass es sich höchstwahrscheinlich um Leukämie handelt. Der Verdacht bestätigte sich nach der Verlegung in die Onkologie leider schnell.

Nicht genug damit, erzählt die junge Frau: Der Dreijährige leidet unter einer sehr seltenen Form der Krankheit, bei der sich der richtige Behandlungsweg erst nach und nach zeigt. Lenn wurde stationär aufgenommen und bekam eine Chemotherapie. „Silvester durfte er das erste Mal wieder nach Hause“, erinnert sich seine Mutter. Doch ein paar Tage später bekam das Kind Fieber und musste wieder ins Krankenhaus.

An eine geregelte Arbeit war bei Alexander Morr nicht mehr zu denken. Wenn Lenn in der Klinik bleiben musste, übernachtete sein Vater bei ihm. Und wenn er zuhause war, gab es jeden zweiten Tag einen Krankenhaus-Termin. In den vergangenen Wochen durfte der Dreijährige viel Zeit in Rothenberg verbringen. „Er versteht nicht, warum er nicht mit anderen Kindern spielen darf“, sagt seine Mutter. Denn vor dem Haus ist ein Spielplatz. Aber nach der Chemo „hat er so gut wie kein Immunsystem“, weiß sie. Inzwischen ist coronabedingt sowieso alles gesperrt.

Die Pandemie erschwert jetzt alles um ein Vielfaches. „Wir gehen nicht mehr raus, auch nicht zum Einkaufen“, sagt Jana Morr. Die Familie verlässt das Haus nur noch, um ins Krankenhaus zu fahren. Seitdem das aber seine Vorschriften verschärft hat, darf nur noch ein Elternteil mit zur Untersuchung und dort bleiben. „Der andere darf nicht einmal zu Besuch kommen“, bedauert Morr. Das ist seit dieser Woche für Lenn und seine Eltern besonders hart. „Er bekommt dann eine ganz, ganz harte Chemo“, meint seine Mutter sorgenvoll. Der Dreijährige gilt es Hochrisikopatient. In sechs Tagen erwarten ihn 14 Behandlungen, dann sind zwei Wochen Pause. Das Ganze wiederholt sich noch zwei Mal. Was ihr Hoffnung macht: Nach der ersten Therapie wurde eine Remission erreicht. Die Krebszellen breiteten sich nicht weiter aus. Jetzt geht es darum, sie nicht nur schlafen zu legen, sondern auch abzutöten. Erst am Ende dieser Behandlung, die mindestens noch das ganze Jahr dauert, wird klar sein, ob ihr Sohn eine Dauertherapie oder zusätzlich eine Stammzellenspende braucht. „Lenn verpackt es recht gut“, beobachtet die 29-Jährige. Kinder haben eben die meiste Kraft, meint sie. Allerdings gibt es auch Phasen, „da liegt er nur lethargisch im Bett“. In den vergangenen Wochen, als sich die Familie viel zuhause aufhielt, „war er lebensfroh und ist viel draußen rumgerannt“, berichtet sie. „Die Chemo steckt er relativ gut weg.“

Durch den Wegfall des Einkommens – da Alexander Morr bei seiner Firma freigestellt ist – und bald auch des Elterngeldes, kommen auf die vierköpfige Familie existenzielle Sorgen zu. Der Arbeitgeber des 35-Jährigen meldet durch die Wirtschaftskrise Kurzarbeit an, was noch einmal das zur Verfügung stehende Geld vermindert.

„Wir sind sehr gerührt, dass so viele Leute Anteil nehmen und uns unterstützen wollen“, freut sich Jana Morr deshalb. Der Spendenaufruf der Generationshilfe ging innerhalb kürzester Zeit auf WhatsApp viral. „Damit hätten wir niemals gerechnet“, spricht sie allen ihren großen Dank aus. Ohne die Unterstützung von Familien und Freunden sei das alles nicht zu schaffen.

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