Metropolregion

Hitzewelle

Die hohen Temperaturen und die Folgen für die Region

Rhein-Neckar.Die aktuell anhaltenden tropischen Temperaturen machen Mesnchen zu schaffen - aber auch Natur und Industrie leiden - auch in der Region Rhein-Neckar.

Fischsterben aufgrund hoher Wassertemperaturen

Nach Angaben des Naturschutzbundes BUND ist derzeit in vielen deutschen Gewässern ein Fischsterben zu beobachten. „Die Wassertemperaturen sind dramatisch angestiegen“, beklagte Gabriele Baier, Vorsitzende des BUND Mannheim. Dadurch sinke der Sauerstoffgehalt, das Algenwachstum werde gefördert. „Für die Ökosysteme ist das problematisch.“ Schon jetzt sei der Rhein wärmer als im sogenannten Jahrhundertsommer 2003.

In der Tat wurde in Worms und auch in Mainz/Wiesbaden der als kritisch geltende Temperaturwert in Höhe von 28 Grad bereits überschritten. In Mannheim lag er noch knapp darunter. In der Fischkinderstube am Neckar bei Edingen-Neckarhausen ist die Lage bislang stabil. Das Areal ist 320 Meter lang und bis zu 55 Meter breit. Es befindet sich in einem Seitengewässer und dient der Fisch-Ablaiche und -Aufzucht.„Wir haben dort noch keine Auswirkungen bemerkt“, sagte Dominik Eberle vom Bau- und Umweltamt der Gemeinde Edingen. Das liege auch daran, dass die tiefste Stelle vier Meter beträgt – ein kühlerer Rückzugsraum für die Tiere.

Feuerwehr bewässert Jungbäume

Der starken Hitze der vergangenen Tage haben die Jungbäume, die sich mitten in der Entwicklung befinden, zunächst wenig entgegenzusetzen, "viele haben ihr Laub schon stark hängen lassen", wie Klaus Schwennen vom Grünflächenamt der Stadt Mannheim bestätigt. Also kam das Amt auf die Idee, die jungen Bäume durch die Feuerwehr bewässern zu lassen.

Mit 80 bis 100 Litern wurden Bäume versorgt und der Bereich rund um die Bäume in den Abendstunden mit Sprühbewässerung zusätzlich befeuchtet. "Für uns ist das natürlich eine absolut gelungene Form der Übung, mit der wir sinnvoll helfen können", wie Kommandant Jan Stiegel berichtet. Zwar wisse man noch nicht, wie sich das Wetter in den kommenden Tagen entwickelt und ob das Grünflächenamt erneut anfragen werde - eines sei aber klar: "Wenn wir noch einmal kontaktiert werden, sind wir selbstverständlich zur Stelle!" 

Volle Wartezimmer in Arztpraxen

„Unsere Wartezimmer sind wegen der extremen Wärme etwas voller als sonst“, antwortet Lisa Seelinger, Fachärztin für Allgemeinmedizin, auf die Frage nach einer Steigerung hitzespezifischer gesundheitlicher Probleme bei ihren Patienten. Die Ärzte der Praxis mussten aufgrund des heißen Wetters verschiedene Diagnosen vermehrt stellen.

So zum Beispiel die sogenannte „Exsikkose“ - die Austrocknung des Körpers. Etliche Patienten kamen außerdem mit Kopfschmerzen in die Praxen. Zudem beobachteten die Mediziner auffällige Blutdruckanstiege und hohe Blutdruckwerte. Auch der gefürchtete Hitzschlag wurde vermehrt diagnostiziert. Interessanterweise kann auch eine Häufung von Harnwegsinfekten festgestellt werden. „Und es kamen vereinzelt Menschen mit einem Sonnenstich zu den Ärzten“, sagt Seelinger.

Warmes Kühlwasser macht Kraftwerken Probleme  

Wird eine Wassertemperatur von 28 Grad überschritten, darf normalerweise kein Kühlwasser mehr aus den Flüssen entnommen werden. Für das Großkraftwerk Mannheim (GKM) könnte das in den nächsten Tagen eintreten, sagte eine Sprecherin. Vorsorglich sei daher eine Ausnahmegenehmigung beim Regierungspräsidium Karlsruhe eingeholt worden. Sollte direkt nach dem Kraftwerk mehr als 28 Grad gemessen, dürfe damit lediglich der neue effizientere Block 9 des GKM betrieben werden. Im Moment sind Block 7 und 9 mit voller Leistung in Betrieb.

Die etwas weiter nördlich liegende BASF gab auf Nachfrage an, dass die Wiedereinleittemperatur von Kühlwasser in den Rhein aufgrund der Hitze limitiert sei. „Um diese Vorgaben einzuhalten, muss die BASF die Produktion sukzessive anpassen“, sagte ein Sprecher des Chemiekonzerns. In den kommenden Tagen könne es daher Lieferengpässe geben. Um welche Produkte es dabei geht, wurde nicht mitgeteilt.

Der BUND kritisierte, dass Kohle- und Atomkraftwerke sowie Industriebetriebe mit ihren Kühlwasser-Einleitungen die Situation weiter verschärften. „Die zuständigen Landesregierungen müssen jetzt dafür sorgen, dass kein erwärmtes Kühlwasser mehr in die aufgeheizten Flüsse eingeleitet wird“, sagte die BUND-Expertin für Biodiversität, Silvia Bender.

Wasserflaschen werden knapp

Weil die Menschen derzeit mehr trinken als sonst, läuft die Abfüllung bei den deutschen Mineralbrunnen derzeit auf Hochtouren. Doch dafür sind sie darauf angewiesen, dass Leergut zeitnah zurückgegeben wird. Der baden-württembergische Mineralbrunnen Bad Dürrheimer appelliert daher an die Verbraucher, ihre leeren Pfandflaschen zurückzubringen. Die Odenwald-Quelle in Heppenheim hat vorgesorgt und deswegen derzeit keine Probleme. „Wir haben frühzeitig ausreichend Kisten bevorratet“, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage.

Eingeschränkte Schifffahrt auf dem Rhein

Durch die Hitze sind auch die Pegelstände in Deutschland gefallen. In Mannheim ist man derzeit noch rund einen halben Meter vom Tiefststand im Jahr 2003 entfernt – allerdings wurde dieser erst Ende September erreicht, wie Marc Hannig vom Wasser- und Schifffahrtsamt Mannheim sagte. Das Niedrigwasser hat auch Auswirkungen auf die Schifffahrt. So müssen am Mannheimer Hafen derzeit viele Passagiere ihre Flusskreuzfahrtschiffe verlassen. Der Rhein führt nicht genug Wasser, um Richtung Basel weiterzufahren.

Auch der Warenverkehr ist eingeschränkt. Frachter transportieren derzeit nur noch rund ein Drittel der üblichen Ladung. Die BASF etwa reagierte, indem sie eine größere Anzahl von Binnenschiffen einsetzt. Allerdings bereitet der Chemiekonzern angesichts der Wetterprognosen nach Auskunft eines Sprechers „die Verlagerung auf alternative Verkehrsträger vor“ – sprich auf Bahn und Straße.

Darmstadt 98 erlaubt eigene Wasserflaschen im Stadion

Aufgrund der hohen Temperaturen erlaubt Zweitligist SV Darmstadt 98 den Zuschauern beim Saisonauftakt am Böllenfalltor am Sonntag die Mitnahme von zwei 0,5-Liter-Plastikflaschen Wasser ins Stadion. Darüber informierte der Verein. Weiter heißt es, dass es hinter der Gegengeraden einen zusätlichen Getränkestand geben wird, an dem auschließlich Wasser ausgeschenkt werde. 

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