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Justiz Landgericht Mannheim fällt Urteil zu Straftat im Miramar / Opfer setzt sich für Angeklagten ein / Verteidiger kündigt Revision an

Drei Jahre Haft nach Vergewaltigung

Archivartikel

Mannheim/Weinheim.Drei Jahre und drei Monate Haft wegen Vergewaltigung und Körperverletzung – so lautet das Urteil, das das Landgericht Mannheim am dritten Prozesstag gegen einen 25 Jahre alten Mann gefällt hat. Die Kammer um die Vorsitzende Richterin Bettina Krenz sah es als erwiesen an, dass sich die Tat im FKK-Bereich des Miramar so abgespielt hat, wie in der Anklage geschildert.

Am 17. Juli war der Mannheimer vom städtischen Strandbad aus durch den Waidsee geschwommen, hatte sich so unrechtmäßig Zutritt zum Freizeitbad verschafft, dort eine 49-jährige Frau angesprochen, sie geschlagen, gebissen und vergewaltigt. Das Opfer konnte sich durch einen Vorwand befreien und Hilfe holen. Die Aussagen der Frau und des Angeklagten waren vor Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgt. Auch die Plädoyers fanden am Freitag auf Anordnung der Kammer hinter verschlossenen Türen statt. Staatsanwalt Michael Hager hatte vier Jahre Haft gefordert. Ein Strafmaß, das der Verteidiger des 25-Jährigen, Rechtsanwalt Ekkart Hinney als zu hoch ansah. Obwohl das Gericht deutlich hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft blieb, kündigte Hinney unmittelbar nach dem Urteil Revision an.

In ihrer Urteilsbegründung schilderte Richterin Krenz, was für den Angeklagten gesprochen habe. „Sie haben ein Teilgeständnis abgelegt. Jedoch keines, das uns die komplette Beweisführung erspart hätte“, so Krenz. Der Angeklagte hatte vor Gericht offenbar behauptet, die Frau habe ihn angesprochen, nicht umgekehrt und sie habe sowohl ihn als auch sich im Intimbereich berührt.

Tat unterschiedlich geschildert

Sein Opfer hingegen hatte die Tat jedoch anders geschildert, sprach von massiver Gewalt und Todesangst, als der Mann sie an den Füßen Richtung Wasser gezogen und sie am Schreien gehindert habe. Sie sei dem Gericht glaubwürdig erschienen und offensichtlich nicht auf Rache aus, betonte Krenz. „Sie hat hier gesagt: ,Das ist noch ein junger Mann, man soll ihm nicht das ganze Leben verbauen‘ – so etwas erleben wir nicht oft.“ Auch das Gutachten der Rechtsmedizin Heidelberg über die Verletzungen der Frau hatte deren Version der Tat gestützt. Eine psychiatrische Erkrankung liegt bei dem 25-Jährigen ebenfalls nicht vor.

Zugunsten des Angeklagten sei jedoch festzuhalten, dass es keine geplante Tat und die Folgen beim Opfer „relativ gering“ seien, wie sich die Richterin ausdrückte. „Sie haben sich außerdem entschuldigt“, sagte Krenz. Weniger positiv: Der 25-Jährige ist bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Für seinen Verteidiger ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. „Das Gericht hat viele Argumente der Verteidigung angenommen. Aber manche Punkte gingen zu stark zu Lasten meines Mandanten“, so Hinney. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.