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Justiz Mannheimer Landgericht verurteilt 54-Jährige aus Schwetzingen zu acht Jahren und zehn Monaten Haft

Ehemann mit Kerzenhalter erschlagen

Archivartikel

Schwetzingen.Im Prozess gegen eine 54-jährige Frau aus Schwetzingen ist am Dienstag das Urteil am Landgericht Mannheim gefallen: Die Frau wurde wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung an ihrem 55-jährigen Mann zu einer Gefängnisstrafe von acht Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Das Schwurgericht sah es nach sieben Verhandlungstagen als erwiesen an, dass die Angeklagte ihrem Mann mit einem fast zwei Kilo schweren Kerzenhalter tödliche Kopfverletzungen zugefügt hat. Zwei Tage vor der Tat hatte sie den 55-Jährigen im Streit mit einem Besenstil und einer Krücke am Kopf verletzt.

Schutzbehauptungen präsentiert

Die gebürtige Weißrussin, die mit ihrem Mann 1992 nach Deutschland gekommen war, hatte beim Auftakt von jahrelangen Gewalttätigkeiten gegen sie berichtet. Ihr Mann habe sie schon kurz nach der Hochzeit geschlagen und getreten. Das Gericht wertete die Angaben als Schutzbehauptungen, um mildernde Umstände geltend machen zu können, führte der Vorsitzende Richter Gerd Rackwitz in der Urteilsbegründung aus. Die Ehe sei seit vielen Jahren zerrüttet gewesen. Der Drogentod des Sohnes vor fünf Jahren, den die 54-Jährige bis heute nicht wahrhaben will, habe zu Belastungen geführt. Die Frau leide an einer „tiefen abnormen Trauerstörung“, die bei ihr für einen „depressiven Niedergang der Stimmung“ gesorgt habe.

Am Tatabend habe sie sich entschlossen, ihren Mann zu töten, weil er sich von ihr trennen und mit seiner Geliebten zusammenziehen wollte. Die Angeklagte hatte den 55-Jährigen immer wieder zur Rede gestellt und auch sein Handy durchsucht. Ihre Befürchtung, nach einer Scheidung die Wohnung nicht halten zu können, sei auch nur ein Teilmotiv der Tat, so der Vorsitzende.

Die Strafkammer könne weder Heimtücke noch Habgier erkennen. Eine verminderte Schuldfähigkeit könne der Frau nicht eingeräumt werden. Die Richter wollten auch nicht von einem minderschweren Fall ausgehen, weil die Angeklagte die eingeschränkte Verteidigungsmöglichkeit ihres Mannes ausgenutzt habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. 

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