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Justiz Am Dienstag soll Urteil im „Kerzenständer-Prozess“ fallen

Ehemann stand kurz vor Auszug

Archivartikel

Schwetzingen/Mannheim.Im Prozess gegen die 54-jährige Frau aus Schwetzingen, der die Anklage Totschlag an ihrem 55-jährigen Ehemann zur Last legt, standen am Freitag die Schlussvorträge an. Die Öffentlichkeit war erneut von der Verhandlung ausgeschlossen. Zu den Anträgen von Oberstaatsanwalt Andreas Grossmann, Nebenklagevertreterin Sabrina Hausen und Verteidiger Jörg Becker machte das Landgericht Mannheim keine Angaben.

Vor dem Schluss der Beweisaufnahme hörte das Schwurgericht unter dem Vorsitzenden Richter Gerd Rackwitz noch einen Kriminalbeamten, der wegen eines von der Angeklagten beantragten Darlehens über 50 000 Euro ermittelt hatte. Die Frau habe bei einem Beratungsgespräch einer Bank im April 2013 von einer bevorstehenden Trennung von ihrem Ehemann gesprochen.

Die 54-Jährige ist nicht vorbestraft. Sie sitzt seit der Tat in Untersuchungshaft und war einige Zeit im Psychiatrischen Zentrum Nordbaden untergebracht. Die Kammer versuchte an sieben Verhandlungstagen herauszufinden, was in der Nacht auf den 3. Oktober 2018 in der Wohnung des aus Weißrussland stammenden Ehepaars geschehen ist. Die schmächtige Frau soll ihrem auf der Couch sitzenden Mann mit einem knapp zwei Kilogramm schweren Kerzenständer tödlich am Schädel verletzt haben. Angeklagt ist sie auch wegen schwerer Körperverletzung. Zwei Tage vor der Tat soll sie dem 55-Jährigen durch Schläge mit einem Besenstil und einer Krücke eine Wunde am Kopf zugefügt haben. Der frühe Tod des Sohnes habe die 54-Jährige in Depressionen getrieben.

Auch die Freundin des Opfers sagte in dem Prozess aus. Der Mann hatte die Frau in der Kur kennengelernt und mit ihr ein neues Leben anfangen wollen. Die beiden hatten schon den Mietvertrag für eine gemeinsame Wohnung unterschrieben. Drei Stunden nach der Tat hatte die 54-Jährige die Polizei selbst angerufen, nachdem ein Suizidversuch gescheitert war. Das Urteil soll am Dienstag,1. Oktober, fallen.

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