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Biografie Der Wahl-Bergsträßer Heinrich von Brentano wirkte 1949 am Grundgesetz mit / Außenminister unter Konrad Adenauer

Ein Architekt der Demokratie

Archivartikel

Bergstraße.Er war einer der Architekten der bundesdeutschen Demokratie, ein bereits bekennender Europäer und hoch geschätzter Weltbürger: Heinrich von Brentano. Der gebürtige Offenbacher und Wahl-Bergsträßer zählte zu den Vätern des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Als Mitglied des Parlamentarischen Rates war Brentano 1948 und 1949 stellvertretender Vorsitzender des Hauptausschusses und des Ausschusses für das Besatzungsstatut.

Geboren wurde Heinrich von Brentano als jüngstes von sechs Kindern am 20. Juni 1904. Dem Abitur 1922 in Offenbach folgte ein Jura-Studium in München. 1925 legte Brentano sein erstes, 1929 sein zweites Staatsexamen ab. Nach der Promotion 1930 an der Universität Gießen zum Dr. jur. arbeitete er ab 1932 als Rechtsanwalt beim Oberlandesgericht Darmstadt, bis er 1943 als Staatsanwalt nach Hanau dienstverpflichtet wurde.

1945 zählte Brentano zu den Mitbegründern der CDU – es war der Beginn eines kometenhaften Aufstiegs in die Schaltzentralen deutscher Nachkriegspolitik. Von 1946 bis 1949 war er Mitglied des Hessischen Landtags und des CDU-Landesvorstands sowie Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion und des Bezirks Darmstadt. Bei der ersten Bundestagswahl 1949 ging der Verfassungsjurist für seine Partei als Direktkandidat im Wahlkreis Bergstraße ins Rennen. Er gewann nicht nur überlegen das Direktmandat – wie später auch 1953, 1957 und 1961 –, sondern stieg auch auf Anhieb zum Vorsitzenden der ersten CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf, was er zunächst bis 1955 bleiben sollte. Von 1955 bis 1961 gehörte Heinrich von Brentano als Bundesaußenminister dem Kabinett des ersten Nachkriegskanzlers Konrad Adenauer an.

Nach seinem Abschied aus dem Auswärtigen Amt übernahm er 1961 erneut die Führung der CDU/CSU-Mehrheitsfraktion im Bundestag, die er dann bis zu seinem Tod 1964 innehatte. Den Kreis Bergstraße vertrat er von seinem ersten Einzug 1949 bis zu seinem Tod als Abgeordneter im Deutschen Bundestag.

Ab 1957 hatte der zeitlebens unverheiratete Rechtsanwalt und Notar seinen Zweitwohnsitz auf einem 3000 Quadratmeter großen Grundstück in Stallenkandel, einem Weiler von Wald-Michelbach im Odenwald. Unter Brentano „wurde ein wesentlicher Grundstein für ein geeintes Europa und, im Gefolge davon, die deutsche Wiedervereinigung gelegt“, schrieb diese Zeitung zu Brentanos 100. Geburtstag im Mai 2004.

Schon bei der Bildung der Landesverfassung von 1945 gehörte Brentano fast allen Gremien an und stellte bereits 1953 den ersten Entwurf einer Europäischen Verfassung vor. Die Integration Europas werte er als „Knochengerüst deutscher Außenpolitik“, wie er 1961 an Konrad Adenauer schrieb.

Brentanos Außenpolitik war vom ersten Tag an von der Überzeugung geprägt, dass die deutsche Einheit nur in einem vorher vereinten Europa verwirklicht werden könne, und von der Vision bestimmt, den Boden für freiheitliche Demokratien zu ebnen. Zu seinem 100. Geburts- und 40. Todestag im Jahr 2004 ließen die hessische Landesregierung und die Landeszentrale für politische Bildung Brentanos Lebensleistung in einem 300 Seiten dicken Buch dokumentieren, das ihn als „Wegbereiter der europäischen Integration“ auswies.

Staatsakt im Plenarsaal

Zehn Jahre später, zu Brentanos 50. Todestag, erinnerte der Kreis Bergstraße in Heppenheim an den Landes- und Bundespolitiker sowie ersten Bergsträßer Bundestagsabgeordneten. Der damalige Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Wilkes (CDU), würdigte den ehemaligen Bundesaußenminister als „bedeutenden Architekten der hessischen Nachkriegsgeschichte des demokratischen Deutschlands“.

Am 14. November 1964 starb der CDU-Politiker Brentano im Alter von 60 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens in Darmstadt. Drei Tage nach seinem Tod wurde er mit einem Staatsakt im Plenarsaal des Deutschen Bundestages geehrt. „Wir waren Freunde im wahren Sinne des Wortes“, sagte dabei Konrad Adenauer.

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