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Ein Jahr Haft auf Bewährung nach tödlicher Explosion bei der BASF

Archivartikel

Frankenthal/Ludwigshafen.Knapp drei Jahre nach dem schweren Explosionsunglück auf dem Gelände des Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen ist der Angeklagte zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Dritte Strafkammer unter dem Vorsitz von Uwe Gau ist überzeugt, dass der 63-jährige Schlosser im Oktober 2016 wegen eines Augenblicksversagens eine falsche Leitung angeschnitten und so die Katastrophe ausgelöst hatte. Es kam zu einer verheerenden Explosion, bei der fünf Menschen starben und 44 weitere verletzt wurden. Unter den Toten waren vier Mitarbeiter der Werksfeuerwehr.

Allerdings sieht die Kammer eine „kausale Mitverantwortung“ der BASF. So hätte das größte Chemieunternehmen der Welt aus einem Fehlschnitt in eine Rohrleitung 2011 und einer Großschadensübung 2015 mit einem, dem Unglück sehr ähnlichen, Szenario Lehren ziehen und eine Neubewertung der Gefährdungslage im Rohrgraben vornehmen müssen. Das sei nicht geschehen. Da man dem Angeklagten nicht allein das Erfolgsunrecht seiner Tat auf die Schultern packen kann, wirke sich dies strafmildernd für ihn aus.

Die Staatsanwaltschaft ging in ihrer Anklageschrift davon aus, dass der Angeklagte am Unglückstag eine Art Blackout hatte. Der 63 Jahre alte Mann aus Bosnien-Herzegowina sagte vor Gericht, keinerlei Erinnerung zu haben, nicht einmal daran, dass er selbst in Flammen gestanden hatte. "Das war der schwerste Tag in meinem Leben. Das hat mein Leben kaputt gemacht", erklärte er.

Verurteilt wurde der Angeklagte wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und fahrlässiger Körperverletzung. Das Gericht entsprach in seinem Strafmaß der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr verlangt, die auch zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Die Verteidigung wollte einen Freispruch erreichen und hatte im Falle einer Verurteilung eine Strafe von sechs Monaten gefordert, die zur Bewährung ausgesetzt werden müsse. So habe der Arbeiter einer externen Firma unbewusst fahrlässig gehandelt, weil er dachte, das richtige Rohr anzuflexen. Die beiden Nebenkläger, die Hinterbliebene der Opfer sowie schwer verletzte Feuerwehrmänner vertreten, gehen indes von grober Fahrlässigkeit aus und hatten eine Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren gefordert. „Alles andere ist den Angehörigen und der Öffentlichkeit nicht zuzumuten“, hatte Alexander Klein in seinem Plädoyer betont.

Thema in dem Prozess war auch eine mögliche Mitverantwortung von BASF wegen unzureichender Sicherheitsmaßnahmen. Der Werksleiter am BASF-Standort Ludwigshafen, Uwe Liebelt, betont, dass man Lehren aus dem Unfall gezogen habe. „Wir werden alles dafür tun, dass sich so ein Unglück nicht wiederholt. Unsere Sicherheitsmaßnahmen werden wir kontinuierlich weiterentwickeln. Sicherheit hat bei BASF Vorrang.“ 

 Seit dem 5. Februar war das Unglück vor dem Landgericht strafrechtlich aufgearbeitet worden. Nach Angaben von Gerichtssprecher Christian Bruns sagten 28 Zeugen in dem Verfahren aus, neun Sachverständige wurden befragt. (jar/sin/dpa)  

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