Metropolregion

Nachruf Langjähriger SWR-Studioleiter Bernhard Ballhaus gestorben / „En kloorer Kerl“

Ein Pionier des regionalen Radios

Rhein-Neckar.In wenigen Tagen wäre er 81 Jahre alt geworden, und er hatte doch noch so viel vor – besonders mit den Enkeln. Doch jetzt ist Bernhard Ballhaus, der viele Jahrzehnte die Region journalistisch geprägt und ihr landesweit eine Stimme gegeben hat, gestorben.

Der Vater war im berüchtigten Stasi-Gefängnis Bautzen inhaftiert, er ein „Republikflüchtling“ aus der DDR – das hob er stets hervor, weil er froh und sich bewusst war, nun in Freiheit zu leben. Doch aus dem gebürtigen Magdeburger wurde ein Kurpfälzer aus Überzeugung, ja mit begeisterter Leidenschaft. Ab 1959 schrieb er zehn Jahre für den „Mannheimer Morgen“, und aus manchen dabei beruflich geknüpften Kontakten – etwa zu den Käfertaler Fasnachtern der „Löwenjäger“, wuchsen Freundschaften fürs Leben.

Doch dann wurde er zum Rundfunkpionier. Zur Bundesgartenschau 1975 in Mannheim strahlte der damalige Süddeutsche Rundfunk in der Kurpfalz erstmals eine regionale Morgensendung („Neues auf 99,9“) aus. Am 9. Mai 1979 entstand daraus dann „Kurpfalz-Radio“, Deutschlands erstes Regionalradio – später Vorbild für viele öffentlich-rechtliche und dann private regionale Sendungen.

„Gläsernes Studio“ erfunden

Ballhaus war Gründer, erster Chef, Motor und Botschafter der Idee, Radio für die Region zu machen. Er sorgte so dafür, dass über den identitätsstiftenden Begriff „Kurpfalz-Radio“ wieder ein regionales Bewusstsein für die heute von Ländergrenzen durchzogene Kurpfalz entstand, als von einer Metropolregion noch lange nicht die Rede war. Dafür wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Um nah bei den Menschen zu sein, erfand er das „Gläserne Studio“ auf dem Maimarkt. Er kämpfte gegen Stuttgarter Zentralismus und für in den Odenwald und die Pfalz abstrahlende Sendefrequenzen sowie bessere Arbeitsbedingungen durch den Umzug des Studios von der Heidelberger Bosch-Villa in den Neubau am Technoseum. Vom „Kurpfalz Radio“-Chef wurde er schließlich zum Leiter des gesamten SWR-Studios.

Ballhaus konnte hartnäckig sein, auch ein bisschen schlitzohrig, trat stets mit jungenhaftem Charme, und sympathisch auf – ein fröhliches, aber durchsetzungsfähiges Naturell oder eben „en kloorer Kerl“, wie es 2001 beim Abschied in den Vorruhestand hieß. Aus „purer Lust am Leben“ ging er damals früher, vom seinerzeitigen SWR-Intendanten Peter Voß als „idealer Lobbyist der Kurpfalz“ gewürdigt.

So leidenschaftlich, wie er für die Region eintrat, widmete er sich als Pensionär seinen Enkeln und Bienenvölkern, ging er Segeln und auf die Jagd – bis vor wenigen Wochen, ehe ihn nun der Tod ereilte.

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