Metropolregion

Justiz I Landgericht verhängt im Frankenthaler Doppelmord-Prozess lebenslange Freiheitsstrafen

Erleichterung und Trauer

Archivartikel

Frankenthal.„Die Schmerzen bleiben – für immer. Unser Vater wurde uns auf brutale Weise weggenommen. Das kann kein Gericht dieser Welt wieder gutmachen“, sagt Eyüp Torun. Der Sohn des getöteten Mutterstadter Unternehmers Ismail Torun stellt sich nach der Verkündung des Urteils im Frankenthaler Doppelmord-Prozess gefasst den Kameras. „In juristischer Hinsicht sind wir mit dem Schuldspruch und der Verhängung der Höchststrafe zufrieden“, sagt er sichtbar angespannt. Nur Minuten zuvor haben Justizbeamte die verurteilten Mörder seines Vaters abgeführt. „Jetzt geht es mir gut und schlecht gleichzeitig.“

Schuld wiegt besonders schwer

Für Ramazan G. (50), den 39 Jahre alten Hüseyin T. und Yasemin T. (44) schließen sich die Gefängnistore nun für sehr lange Zeit. Das Landgericht Frankenthal spricht sie des Mordes, des erpresserischen Menschenraubes sowie der Erpressung mit Todesfolge schuldig. Weil das Trio nach Einschätzung der Kammer heimtückisch und zur Verdeckung einer Straftat gemordet hat, stellen die Richter die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ausschließt. Für G. – den Drahtzieher der Bluttaten – ordnen sie zudem Sicherungsverwahrung an.

Ein Anflug von Applaus bricht sich Bahn, als der Vorsitzende Richter Alexander Schräder das Urteil verkündet. Als er aber davon spricht, dass das Trio von Anfang an plante, die Opfer zu töten, friert die Erleichterung im Besucherraum ein. Hier haben Verwandte, Freunde und Geschäftspartner von Ismail Torun fast ein Jahr lang den hochemotionalen Prozess verfolgt.

„Die Angeklagten wollten durch die Entführung von Unternehmern viel Geld erlangen und es unter sich aufteilen“, fasst Schräder zusammen. Dabei spielte Yasemin T. den Lockvogel. Sie brachte Marian H. – einen Automatenaufsteller aus Brühl – unter dem Vorwand, ein Spielautomaten-Bistro eröffnen zu wollen, in eine Mannheimer Lagerhalle. Im Dunkeln überwältigten ihre maskierten Komplizen den 64-Jährigen, bedrohten ihn mit einer Waffe und erpressten 6000 Euro. Da er ihnen nicht mehr geben wollte, erdrosselten sie ihn mit Kabelbindern und warfen seine Leiche in ein Gebüsch am Willersinnweiher.

Einen Supermarktbetreiber, der ebenfalls entführt werden sollte, warnte die dreifache Mutter Yasemin T.: „Weil er Kinder hat und sie einen tödlichen Ausgang befürchtete“, so Schräder. Ismail Torun lotste die 44-Jährige indes mit einem lukrativen Mannheimer Immobilienprojekt in die dunkle Lagerhalle.

„Immer derselbe Plan, immer dieselbe Vorgehensweise“, betont Schräder. Die Taten seien außergewöhnlich detailliert geplant und ausgeführt worden. „Die Lagerhalle wurde angemietet, es gab 20 Handys, unzählige SIM-Karten, man hat gefälschte Visitenkarten gedruckt, Alias-Namen und Codes benutzt und am Telefon verschlüsselte Botschaften ausgetauscht“, sagt der Vorsitzende. Auf seinem Laptop hatte Ramazan G. eine schriftliche Version des Tatplans. Zudem finden sich Sprachbausteine, die Torun bei seinen Anrufen verwenden sollte, um Lösegeld aufzutreiben. Rund eine Million Euro war so zusammengekommen, 744 000 Euro sind noch immer verschwunden. Zu einer Freilassung der Opfer – „der Pakete“ – finde sich im Tatplan allerdings kein Wort. Die Tötung eines Menschen sei G.’s Wesen nicht fremd: „Er hat ein Enthauptungsvideo auf seinem Computer, in dem das Opfer mit Kabelbindern gefesselt ist.“

Im Gefängnis Waffe gebastelt

In dem 39-jährigen Hüseyin T. sieht die Kammer keinesfalls einen Mitläufer oder gar ein Opfer, das zum Mitmachen gezwungen wurde: „Er hat eine tragende Rolle gespielt.“ So habe T. den Automatenaufsteller Marian H. als Opfer ins Spiel gebracht, weil er Schulden bei ihm hatte. Auch sein Anteil von 225 000 Euro, der wie die Waffe bei dem 39-Jährigen sichergestellt wurde, lasse Rückschlüsse auf dessen Rolle zu.

Fast geschäftsmäßig schreibt G. alles mit. Dabei blickt „Can“ – wie sein Deckname lautete – den Vorsitzenden immer wieder an. Dieser hält den 50-Jährigen für „gefährlich“. So habe er im Gefängnis eine Waffe gebastelt, die er auch benutzt hätte, wenn andere Gefangene nicht Wind davon bekommen hätten.

„Wir sind froh, dass es nun überstanden ist und versuchen, irgendwie mit der Realität klarzukommen“, sagt Eyüp Torun und dreht sich um.