Metropolregion

Weinwirtschaft Pfälzische Winzer profitieren bei Traubenqualität vom Wandel des Klimas / Hoffnungen bei den Erntemengen weit übertroffen / Chance auf Eiswein

Experten kündigen traumhaften Jahrgang an

Zellertal/Neustadt.Die deutschen Winzer waren in diesem Jahr die großen „Gewinner des Klimawandels“. Weinexperte Jürgen Oberhofer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt schwärmte beim traditionellen „Kamingespräch“ der pfälzischen Weinwirtschaft in Zellertal.

Weinbaupräsident Reinhold Hörner (Hochstadt) setzte noch einen drauf: „Das ist ein einzigartiger, traumhafter Jahrgang.“ Die ungewöhnlich hohe Qualität des 2018er Weinjahrgangs mit filigranen Aromen und moderater Säure bei den Weißweinen und extrem farbintensiven Rotweinen habe nach dem mengenmäßig eher mäßigen Jahrgang 2017 die Hoffnungen der Winzer auf eine gute Lese weit übertroffen. Die ungewöhnliche Wärme im April führte zu einer frühen Blüte schon im Mai. Danach wuchsen die Reben in Rekordtempo. Durch erhebliche Niederschläge im Januar und dann noch einmal im Mai wurden große Wasserreserven in den Weinbergen eingelagert. Die üblichen Fröste blieben aus, Hagel gab es nur auf etwa 500 Hektar in der Südpfalz, die Schäden durch „Sonnenbrand“ hielten in Grenzen, Fäulnis war ebenfalls ein Fremdwort und die gefürchtete Kirschessigfliege brachte keine Probleme.

Weinpreis steigt langfristig

In der Pfalz werden voraussichtlich etwa 2,55 Millionen Hektoliter Most verarbeitet (die exakten Erntemeldungen liegen erst Mitte Januar 2019 vor). Soviel Wein gab es zuletzt 2007. Viele Keller waren in diesem Jahr wegen der geringen Mengen 2017 „restlos geleert“, verriet Hörner, der davon ausgeht, dass es heuer wieder den edelsüßen Eiswein geben könnte: „2017 holten die Winzer alles rein, was am Stock hing, in diesem Jahr haben sie durch einen gewissen Überhang die Chance, das Risiko mit dem Eiswein zu wagen“, sagte auch Thomas Weihl, Leiter des Weinbauamtes in Neustadt.

Die Verbraucherpreise blieben vorerst stabil, langfristig werde der Weinpreis aber wegen höherer Produktionskosten steigen, so Weihl. Der Rebsortenspiegel in der Pfalz zeigt „Bewegung“. Bei den weißen Sorten ist der Riesling mit rund 5 800 Hektar unangefochten weiter die Nummer eins. Bei den roten Sorten führt der Dornfelder mit 2 902 Hektar das Feld an.