Metropolregion

Coronavirus Kolonne aus 65 Taxis fährt durch Mannheim und Ludwigshafen / Branche verzeichnet deutlich weniger Kunden

Fahrer demonstrieren gegen „Lockdown“

Archivartikel

Rhein-Neckar.Taxi-Fahrer aus der Region haben am Sonntag auf die wirtschaftliche Lage ihrer Branche aufmerksam gemacht. Sie befürchten weitere Umsatzeinbrüche durch die anstehenden Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. „Wir sind ein unerkannter Kollateralschaden“, sagte der Ludwigshafener AfD-Stadtrat Ralf Senck, der eigenen Angaben zufolge die Idee zu der Protestaktion hatte. Senck ist selbst Taxi-Unternehmer und Mitglied im Vorstand der Taxi-Zentrale Ludwigshafen.

Gehofft hatte er auf 100 bis 150 Taxis. Es waren dann etwa 65 Fahrzeuge, die am Sonntagvormittag von der Ludwigshafener Eberthalle über die Kurt-Schumacher-Brücke nach Mannheim fuhren. Dort umrundeten sie die Innenstadt und fuhren über die Konrad-Adenauer-Brücke zurück zur Eberthalle.

Weil derzeit weniger Privat- und Geschäftsreisen stattfinden und jetzt auch das Nachtleben wieder zum Erliegen kommen soll, hat die Taxi-Branche deutlich weniger Kunden. Selbst die Zahl der Krankenfahrten ist nach Einschätzung von Senck gesunken – weil viele Patienten Angst haben, zum Arzt zu fahren. Dabei sei man ständig damit beschäftigt, die Wagen zu reinigen.

65 bis 70 Prozent weniger Umsatz

Michael Oppermann, Geschäftsführer des Bundesverbands Taxi und Mietwagen, hatte nach den Beschlüssen von Bund und Ländern zum anstehenden Teil-Lockdown mitgeteilt: „Das Taxigewerbe braucht dringend Hilfe. Unsere Betriebe werden zwar durch den Lockdown nicht direkt geschlossen, aber mit den Beschlüssen nimmt man uns die Kunden: Wenn Tourismus, Veranstaltungen und Gastronomie geschlossen werden, sind auch unsere Fahrgäste weg.“ Je nach Region habe das Gewerbe schon im Frühjahr Umsatzeinbrüche von 60 bis 90 Prozent verkraften müssen.

Auch Ralf Senck spricht von einem Umsatzrückgang um 65 bis 70 Prozent. Bereits mit den ersten Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung habe man noch zwei Jahre lang zu kämpfen, sagt er. „Dass es jetzt noch mal so kommt, ist der Hammer.“

Die Bundesregierung hat Unternehmen Unterstützung zugesichert. Neben der Kurzarbeit können Firmen mit bis zu 50 Beschäftigten eine einmalige Kostenpauschale in Höhe von bis zu 75 Prozent ihres Umsatzes aus dem November des Vorjahres erhalten.

Senck hält diese Instrumente für unzureichend. Er könne zudem nicht so einfach seine Kosten reduzieren. „Wir haben eine gesetzlich auferlegte Betriebspflicht. Wir müssen Autos vorhalten, sie versichern und die Fahrer bezahlen. Auch wenn ein Taxi nur irgendwo rumsteht, kostet es Geld.“ 

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