Metropolregion

Prozess

Falsche Polizisten gestehen

Archivartikel

Trickbetrüger gaukeln alten Leuten vor, dass sie von der Polizei sind und schwatzen ihnen ihr Erspartes ab. Wie die Täter arbeiten, ist Gegenstand eines Prozesses vor dem Landgericht Frankenthal.

Frankenthal.Weil sie in die Rolle von Polizeibeamten geschlüpft sind, um alte Menschen auszutricksen und ihnen Geld abzunehmen, müssen sich eine Frau aus Bremen und zwei Männer aus Essen wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs vor dem Landgericht in Frankenthal verantworten. Ein vierter Angeklagte ist nicht zum Prozess erschienen, da er Kontakt zu einem mit dem Coronavirus Infizierten hatte und deshalb unter Quarantäne steht. Ursprünglich waren acht Verhandlungstage bis 2021 angesetzt, da die drei Angeklagten aber gestanden haben, innerhalb einer professionell operierenden Bande als Fahrer und Geldabholer fungiert zu haben, wird noch an diesem Donnerstag ein Urteil fallen. Der Vorsitzende Richter Karsten Sauermilch hatte an die Frau und die beiden Männer auf der Anklagebank appelliert, die Taten zu gestehen, um den betagten Opfern in Corona-Zeiten eine Aussage vor Gericht zu ersparen.

Angeklagt sind vier Fälle: So hatten ein 84 Jahre alte Frau aus Neustadt  15.000 Euro, ein 80-jähriger Rentner aus Speyer 20.000 Euro und eine 79-Jährige aus Frankfurt 13000 Euro an die falschen Beamten verloren. Das vierte Opfer, eine Seniorin aus Backnang bei Stuttgart, hatte Geld und Wertsachen zwar aus ihrem Bankschließfach geholt und bereit gelegt, war aber vor der Übergabe eingeschlafen.

Laut Anklage folgt das „Geschäftsmodell“ der Angeklagten folgendem Muster: So gaukelt ein angeblicher Polizist dem Opfer am Telefon vor, es sei von einer Einbrecherbande ausgespäht worden. Zudem sei bei einem der Täter ein Zettel mit der Adresse des Opfers gefunden worden, warum es nun dringend nötig sei, Geld und Wertsachen der Polizei zur Verwahrung zu übergeben. Um dies möglichst unauffällig zu tun, sollten die Rentner ihr gesamtes Vermögen vor die Haustür legen, wo es die Polizei dann abholen würde. Die Opfer werden laut Staatsanwaltschaft von einem „Keiler“ aus Telefonbüchern herausgesucht, deren Vorname auf ein höheres Alter schließen lässt. Die ausgewählten Personen würden von von einem Callcenter in der Türkei aus angerufen, wo psychologisch geschulte Betrüger am Telefon sitzen, die perfekt Deutsch sprechen und die alten Menschen gezielt in Angst versetzen. Der Druck werde systematisch aufgebaut. Zudem halten die Anrufer ihre Opfer über Stunden am Telefon, damit diese keine Zeit haben, Verwandte oder Freunde anzurufen und um Rat zu fragen. Das Abholen der Beute übernehmen sogenannte „Läufer“, die ständig von den „Logistikern“ über den Fortgang informiert werden. Schließlich werden Geld und Wertsachen über Umwege zum Initiator in die Türkei gebracht.

Die Angeklagten waren laut Anklage für die Abholung und Weitergeben  der Beute zuständig. Während die beiden Männer bereits vorbestraft sind, weist das Zentralregister der Frau keine Einträge auf.