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Falscher Polizist vor Gericht - Prozessbeginn mit betrogener Seniorin

Heidelberg.„Ich war wie programmiert“: Auch acht Monate nach der Tat ist das Opfer noch völlig fassungslos über das Geschehene - und über das eigene Verhalten. Am 19. Februar hat die 64-Jährige einem Fremden vor ihrem Haus in Sinsheim eine Plastiktüte mit Schmuck und Münzen im Wert von 300.000 Euro übergeben.

Fünf Stunden lang hatten zuvor zwei Unbekannte, die sich als Kommissare vorstellten, die Frau am Telefon bearbeitet und ihr eine Räuberpistole aufgetischt. Demnach sollte die Rentnerin auf einer Liste von Einbrechern stehen, die bereits unterwegs zu ihrer Adresse seien. Zu ihrem Schutz, so die Anweisung der Männer, die erstaunlich viele Details aus dem Privatleben der Frau wussten, sollte sie alle Wertgegenstände einpacken und diese würden dann abgeholt.

Vor dem Heidelberger Landgericht muss sich nun der mutmaßliche Abholer verantworten. Der 30-Jährige streitet die Vorwürfe ab und behauptet, zur Tatzeit in Hagen gewesen zu sein.

Zum Prozessauftakt sind zehn Zeugen geladen. Das Urteil wird am 22. November erwartet.

Die Betrügereien dieser Art laufen nach folgendem Muster ab: Alte Leute werden am Telefon von den angeblichen Polizisten mit dem Hinweis auf Einbrecher in ihrer Umgebung unter Druck gesetzt. Sie sollten ihre Wertsachen der Polizei geben, die sie in sichere Verwahrung nehme. Die Wertsachen würden zurückgegeben, sobald die Gefahr vorbei sei.

Im Jahr 2017 registrierte das Landeskriminalamt 1955 derartige Fälle, davon 1843 erfolglose Versuche. Der Schaden belief sich auf 5,3 Millionen Euro. Im Jahr 2016 waren es noch 225 Fälle, davon 182 Versuche; der Schaden lag bei knapp 1,4 Millionen Euro.

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