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Kritik Anwältin tadelt Gericht nach verpasster Beerdigung

Fehlende Empathie in der Justiz?

Frankenthal.Die Ludwigshafener Rechtsanwältin Katja Kosian wirft dem Schwurgericht des Frankenthaler Landgerichts fehlende Menschlichkeit vor. Hintergrund ist der Tod eines ihrer Mandanten, der vor kurzem wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden war. „Er ist am 8. Juli an einer Krebserkrankung verstorben“, berichtet Kosian, die den 53-jährigen gemeinsam mit ihrem Kollegen Klaus Robling verteidigt hatte. „Es war sein letzter Wunsch, dass wir beide zu seiner Beerdigung kommen, die am vergangenen Dienstag stattgefunden hat“, so die Rechtsanwältin.

Zeitgleich war vor dem Frankenthaler Landgericht jedoch eine Verhandlung im Prozess um die Tötung eines 18-Jährigen in Frankenthal angesetzt. Den Angeklagten vertreten ebenfalls Kosian und Robling. Um gemeinsam zur Beerdigung gehen zu können, hatte Kosian eine Unterbrechung beantragt. Die Kammer lehnte den Antrag ab, so dass letztlich nur Kosian, nicht aber Robling der Beerdigung beiwohnen konnte.

„Menschlichkeit fehl am Platz“

„Gegen die Abwesenheit eines Verteidigers hatte die Kammer keine Bedenken, lehnte jedoch den Antrag auf Unterbrechung wegen Abwesenheit beider Verteidiger ab“, sagt Gerichtssprecher Philip Sturhan auf Anfrage. „Hierbei hat die Kammer darauf hingewiesen, dass sich der Angeklagte in Untersuchungshaft befindet und das Beschleunigungsgebot einer Verlegung entgegensteht.“ Insbesondere, da am Donnerstag in dem Verfahren ein Gutachter gehört werden sollte, der nur noch an diesem Termin konnte.

Kosian lässt das nicht gelten . „Wir haben am Dienstagvormittag und am Donnerstag verhandelt. Das ist ja wohl ein beschleunigtes Verfahren“, sagt sie. „Aber Menschlichkeit ist in der Justiz wohl fehl am Platz.“ 

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