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Freitag schwebt 16-Tonnen-Bauteil auf Kirche

Archivartikel

Limburgerhof.Der Regen hat die Schweißarbeiten verzögert - aber heute, Freitag, soll der 16 Tonnen schwere neue Tambour in 27 Metern Höhe per Kran an seinen Platz auf der evangelischen Kirche in Limburgerhof schweben, erklärt Architekt Sebastian Metz aus Insheim.

Der charakteristische Glas-Beton-Rundbau lässt Licht auf den Altar des 1957 eingeweihten Gotteshauses scheinen. Die Kirche steht seit 1992 unter Denkmalschutz - auch wegen dieses Bauteils, das nun ausgetauscht wurde, weil der Beton des Original-Tambours brüchig geworden war. Der Ersatz hat 300 000 Euro gekostet.

Das Ausmaß der Schäden am 60 Jahre alten Beton kam erst zum Vorschein, als die Sanierung bereits begonnen hatte: An der Stahlbeton-Glas-Konstruktion des Zylinders auf dem Dach der Protestantischen Kirche hatte der Zahn der Zeit genagt. Rost sorgte dafür, dass der Beton bröselte wie ein altes Brötchen.

Für die Kirchengemeinde war das eine echte Hiobsbotschaft: Statt der für eine Sanierung eingeplanten 150 000 Euro mussten nun für den Ersatz des 15,5 Meter hohen und fünf Meter dicken Tambours 300 000 Euro aufgebracht werden. Ein Kraftakt, zumal das Ende der 1950er Jahre errichtete, unter Denkmalschutz stehende Gotteshaus noch an anderer Stelle modernisiert werden muss.

Der Begriff Tambour kommt aus dem Französischen und bedeutet Trommel. Er beschreibt die Form des aus zwölf Elementen bestehenden Dachaufsatzes mit der runden Grundfläche und der flachen Kuppel. Drei massive Eisenringe hielten die maroden Pfosten zusammen. Doch seit die Betonbauer die Löcher in den Trägern freilegten, bestand aus Sicht der Statik berechtigte Sorgen an der Sicherheit.

„Wir haben am 30. Mai einen Baustopp verhängt“, berichteten Pfarrer Martin Grimm, seine Kollegin Martina Kompa und Stefanie Müller von der Bauabteilung des Landeskirchenrates Speyer vor drei Jahren

Für Architekt Sebastian Metz aus Insheim war da schon klar: Der Tambour muss abgebrochen werden. Er sei nicht mehr zu reparieren.

Eigentlich sollte am 11. September 2016, dem "Tag des Denkmals", der erste Gottesdienst unter dem frisch sanierten Tambour stattfinden. Das Bauelement ist aus dem Barock abgeschaut, wo es der Beleuchtung der Kirchen diente. In der modernen Variante der Nachkriegszeit hat der Erbauer, Architekt Egon Freyer, den Tambour direkt über den Altar gesetzt.

„Unsere Kirche ist nicht wie üblicherweise ,ex oriente’, also aus dem Osten kommend, sondern Richtung Nordost ausgerichtet. Geht am Vormittag die Sonne auf, fängt sich das Licht im Tambour und wird über den Altar projiziert“, beschrieb Grimm das faszinierende Schauspiel, das dazu beigetragen hat, dass die Kirche 1992 den Denkmalschutzstatus erhielt.

„Über dem Chor befindet sich ein verglaster Kegelstumpf als Betonrippenkonstruktion in der Art einer Laterne“, formulierte das Landesdenkmalamt im Juli 1992 bei der Unterschutzstellung. Nach einer Besichtigung gibt die Behörde 24 Jahre später die Einwilligung, den Tambour abzubrechen und durch eine neue Konstruktion zu ersetzen. „Faktisch hätten wir mindestens 50 Prozent der alten Substanz ersetzen müssen“, verweist Metz auf die vorgefundenen Materialmängel. Eine Sanierung, so die Prognose, hätte ohnehin nur zehn bis 15 Jahre gehalten, dann wären weitere Arbeiten fällig geworden - und das Statik-Problem hätte fortbestanden.

Ein Notdach, eine Holzkonstruktion, dichtete das Dach in den vergangenen Jahren ab.

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