Metropolregion

Jahrestag Kinderhospiz „Sterntaler“ in Dudenhofen vor zehn Jahren eröffnet / Sommerfest und Tag der offenen Tür am Samstag

„Fühlt sich für uns wie Familie an“

Archivartikel

Dudenhofen/Mannheim.Kinder mit lebensverkürzenden Krankheiten, ihre Eltern und Geschwister finden seit zehn Jahren in Dudenhofen eine Oase zum Ausruhen, Betreuung und Hilfe: 2009 öffnete das Kinderhospiz „Sterntaler“ in Dudenhofen in der Alten Mühle. Am heutigen Samstag wird das von 11 bis 17 Uhr mit einem kleinen Jahrmarkt und einem Tag der offenen Tür gefeiert.

In der denkmalgeschützten Mühle am Woogbach in Betrieb genommen, ist das „Sterntaler“-Haus die einzige stationäre Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz und der Metropolregion. Vor vier Jahren öffnete nach langer Vorbereitung der Erweiterungsbau in der Scheune. Nun gibt es in Dudenhofen zwölf Zimmer, die Belegung entwickelt sich stetig weiter. 1086 mehrtägige oder mehrwöchige Aufenthalte von schwer kranken Kindern sind in den zehn Jahren begleitet worden. Derzeit werden meist sechs Plätze belegt. Bereits 2004 hatte der ambulante Kinderhospizdienst der „Sterntaler“ die Arbeit aufgenommen. Ursula Demmer hatte unermüdlich mit dem Mannheimer Verein „Kinderhospiz Sterntaler“ für ihre Vision getrommelt, ließ sich weder durch bauliche oder behördliche Hürden entmutigen und gewann viele Unterstützer. Nach ihrem plötzlichen Tod vor drei Jahren übernahm Anja Hermann, bisherige Stellvertreterin, die Nachfolge.

Viele Steine mussten aus dem Weg geräumt werden, bis die ersten Familien in der alten Mühle betreut werden durften. „Das Gute daran, dass alles so schwierig war in den ersten Jahren, ist, dass wir nun ganz viel Erfahrung abgeben können“, sagt Linnford Nnoli, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der „Sterntaler“. So habe man gerade Besuch von Delegationen aus England, Russland und Norwegen bekommen, wo stationäre Kinderhospize eingerichtet beziehungsweise nach Dudenhofener Vorbild umgestaltet werden. Mehrere Wochen hat die Neustadter Familie Weinheimer in der Einrichtung verbracht. 2017 starb ihr Sohn Simon (4) an den Folgen eines extrem seltenen Gendefekts und den schweren Stoffwechselproblemen, die daraus resultierten. „Wir sind 2015 zu einem ,Schnupperwochenende’ eingeladen worden, das hörte sich irgendwie bizarr an“, erinnert sich Mutter Franziska. Niemals hätte sie vorher erahnt, was die ,Sterntaler’ für Simon, seine beiden Schwestern und die Eltern bald bedeuten würden: „Es fühlt sich für uns wie Familie an“, beschreibt die Mutter das Gefühl der Geborgenheit. Noch immer kommen die vier gerne her: „Es ist kein trauriger Ort für uns, weil wir hier Einnerungen an viele glückliche Stunden haben.“ An der Erinnerungswand im Garten hat auch Simon seinen Platz. „Regelmäßig komme ich her. Und nach ein paar Minuten des Innehaltens geht es wieder hinaus ins Leben.“

„Die Kinderhospizarbeit muss in Deutschland leider nach wie vor zum Großteil über Spenden finanziert werden“, bedauert Nnoli. Seit Januar bekomme die Einrichtung immerhin einen Tagessatz von 606,67 Euro. Das sei längst nicht kostendeckend, aber vorher habe der Satz bei 237,50 Euro gelegen. Der Bundesverband errechnete einen Mindestbedarf von 800 Euro. „Unendlich dankbar“ seien alle Sterntaler-Familien Ursula Demmer: „Ohne sie gäbe es das Kinderhospiz ganz sicher nicht“, sagt Nnoli.