Metropolregion

Prozess um Heim-Morde Verteidigung lässt Handy-Kommunikation zwischen zwei Mitarbeitern verlesen – möglicherweise um sie als Fiktion zu entlarven

Führte Pflegehelfer Doppelleben als Prostituierter?

Frankenthal.Schmunzelnd verfolgt Michael K. auf der Anklagebank des Frankenthaler Landgerichts, wie sich beim Prozess um die Pflegeheim-Morde von Lambrecht alles um sein vermeintliches Doppelleben dreht. Auch die mutmaßlichen Komplizen des 48-Jährigen – die Pflegerin Celina M. (27) und der 24-jährige Danny L. – grinsen amüsiert.

Das Trio soll laut Staatsanwaltschaft aus Langeweile in wechselnder Besetzung zwei demente Menschen heimtückisch ermordet haben. Eine dritte Frau überlebte einen Angriff nur knapp. Zudem werden ihnen Misshandlungen und sexuelle Übergriffe – von denen sie Fotos und Handy-Videos gemacht haben sollen – sowie Diebstahl vorgeworfen. In den WhatsApp-Chats – die mit Filmen, Bildern und Sprachnachrichten des Trios – die Grundlage für das Strafverfahren bilden, geht es aber nicht nur um die angeklagten Taten, sondern auch um die angebliche Nebentätigkeit des 48-jährigen Pflegehelfers. So soll dieser über das Internet-Kontaktportal „PlanetRomeo“ seine Dienste als Callboy angeboten haben – mit Danny L. als Zuhälter.

Die Kommunikation zwischen den beiden ist in einem eigenen Aktenband gebündelt. Auf Antrag der Verteidigung werden sämtliche „PlanetRomeo“-Chats in die Hauptverhandlung eingeführt. Möglicherweise vor dem Hintergrund, sie als reine Fiktion zu entlarven. So hat K.’s Anwältin Jessica Hamed der Staatsanwaltschaft bereits zu Prozessbeginn vorgeworfen, dass sie ihre Anklage auf einige wenige von Tausenden von Handy-Nachrichten stütze, die die drei Heimmitarbeiter ausgetauscht hätten. Die Verteidigerin will beweisen, dass ein Großteil dieser Fantasien nie geschehen sei.

Terminprobleme mit „Kunden“

So lesen zwei Richterinnen, mit verteilten Rollen, was sich K. und L. im Januar 2016 – nach dem ersten mutmaßlichen Mord – geschrieben haben. Dabei geht es zum Beispiel um Terminprobleme: „Im Februar wird es mager, da habe ich Spätdienst“, gibt Michael K. zu bedenken, als Danny L. ihn ermuntert, noch ein paar zusätzliche „Kunden“ anzunehmen. Oder um Tarife: „Was, Du willst 250 Euro für eine komplette Nacht nehmen? Das ist ja ein Schnäppchen, andere kriegen das für die erste Stunde, schau’, dass Du 300 rausholst“, wettert L. zornig.

Auch mit einem asiatischen Kunden, den K. als „zuvorkommend“ und „höflich“ beschreibt, ist der 24-Jährige nicht einverstanden: „Ja brennt’s bei Dir? Wenn der Sex und Beziehung nicht auseinanderhalten kann, ist das sein Problem. Sag’ ihm Du lebst davon und umsonst gibt’s nix, sonst komm’ ich vorbei und dann macht er Bekanntschaft mit Dr. Faust und Dr. Schmerz.“ Als K. wissen möchte, was sein „Chef“ mit dem ganzen Geld anfängt, antwortet L. lakonisch: „Sparen.“

Frühestens Ende April könnte in dem Prozess ein Urteil fallen.