Metropolregion

Justiz 30-Jähriger aus Weinheim räumt vor dem Mannheimer Landgericht Handel mit Amphetaminen, Marihuana und Kokain ein

Geständnis: Kiloweise Drogen verkauft

Weinheim.Ein ganz normaler Typ – mittelgroß, mittelschlank, kurze Haare, Jeans und Pullover. Und doch handelt es sich bei dem 30-jährigen Deutschen offenbar um einen Drogendealer, der zum Prozessauftakt am Dienstag den Handel mit einer beachtlichen Menge verschiedener Drogen vor dem Landgericht Mannheim eingeräumt hat.

Alles in allem geht es in dem Verfahren um 3800 Ecstasy-Tabletten, 24 Kilogramm Marihuana, 17 Kilo Amphetamin, 6,3 Kilo Haschisch, 2,6 Kilo der Partydroge MDMA und knapp 800 Gramm Kokain. Angaben zu Hintermännern und Kunden machte der Hemsbacher allerdings nicht. Letztlich wurde ihm eine verdeckte Ermittlerin zum Verhängnis, der er am 23. Mai 2019 in Weinheim zehn Kilogramm Amphetamin verkaufte. Direkt nach der Übergabe in einer Tiefgarage wurde der Angeklagte – zusammen mit einem weiteren Drogendealer, der bereits zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden ist – von einem mobilen Einsatzkommando der Polizei festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Vier konkrete Fälle des Drogenhandels im April und Mai 2019 legt die Staatsanwaltschaft dem 30-Jährigen zur Last. Außerdem muss er sich wegen seines umfangreichen „Lagerbestandes“ an Drogen verantworten, den die Polizei nach seiner Festnahme aushob. In einem Lagerraum in der Weinheimer Innenstadt hatte er ebenso Drogen gebunkert wie in einer Garage in Bensheim. An beiden Orten fand die Polizei auch Geräte zum Portionieren und Verpacken der Drogen.

Vom Dealer zum Politikstudenten?

Der Angeklagte wuchs nach eigenen Angaben in Heppenheim auf, besuchte zunächst das Gymnasium, wechselte dann aber auf die Realschule, wo er einen guten Abschluss machte. Er brach später zwei Ausbildungen ab. Mit Gelegenheitsjobs hielt er sich über Wasser, ehe er 2013 ein eigenes Gewerbe als Eventveranstalter von Techno-Partys anmeldete. Seit er 15 sei, kiffe er regelmäßig. Ab dem 20. Lebensjahr sei dann Amphetamin dazugekommen, erklärte der Angeklagte vor Gericht. Auch andere Drogen habe er ausprobiert.

Seine „Karriere“ als Dealer habe damit begonnen, dass er irgendwann mit Marihuana gehandelt habe, um seinen Konsum zu refinanzieren. Als chemische Drogen bei Techno-Partys immer beliebter wurden, habe er sein Angebot dann erweitert.

Auf durchschnittlich 2000 Euro pro Monat bezifferte der Angeklagte seinen Verdienst aus diesen Geschäften. Trotzdem habe er den Wunsch gehabt, doch noch sein Abitur auf der Abendschule nachzuholen. Der Abschluss sei ihm während der Zeit in der Untersuchungshaft gelungen. Er wolle Politikwissenschaften studieren und sei zu einer Drogentherapie bereit. Auch mit einer Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sei er einverstanden. Das Verfahren wird am Mittwoch, 12. Februar, um 9 Uhr fortgesetzt.

Zum Thema