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Gibt es ein Video vom Torun-Mord?

Frankenthal.Im Prozess um die kaltblütige Ermordung von zwei entführten Geschäftsleuten aus Brühl und Ludwigshafen hat der mutmaßliche Drahtzieher der Taten am Freitagmorgen vor dem Landgericht Frankenthal eine Erklärung abgegeben, die bei den im Saal anwesenden Familien und Freunden der Opfer für Entrüstung gesorgt hat.

So behauptet der 49-Jährige, dass er unter anderem ein Video von der Ermordung des Ludwigshafener Unternehmers Ismail Torun besitzt. „Darauf ist zu sehen, wie ein Mann in silberner Winterjacke mit blauer Mütze und schwarzen Handschuhen Herrn Torun mit einem orangefarbenen Plastikseil zwei Minuten und 17 Sekunden lang erdrosselt.

Auch vom Schmieden des Komplotts, von Telefonaten und Absprachen habe er Film- und Tonaufnahmen, die er dem Gericht übergeben will. Er selbst habe niemanden getötet, sondern sei vom 38 Jahre alten Mitangeklagten und dessen „Bande“ dazu gezwungen worden, bei den Taten dabei zu sein. Mit welchen Mitteln will er ebenfalls versteckt gefilmt haben.

Auch zeigten die Aufnahmen, dass von Seiten der anderen beiden Angeklagten schon vor der Tat sexuelle Gewaltfantasien gegen einen der Geschäftsleute geäußert wurden.

Der 38-Jährige wiederum betonte, dass er beim Leben seiner 14-jährigen Tochter schwört, dass er niemanden umgebracht habe. Der Verteidiger der Witwe von Ismail Torun erklärte nach der Verhandlung, dass niemand diese Videos bislang gesehen habe. Er halte es aber für möglich, dass es sie gebe. Die Staatsanwaltshaft wollte die Aussage nicht kommentieren und kann derzeit auch zur Existenz der Videos nichts sagen.

Angeklagt sind zwei 38 und 49 Jahre alte Türken aus Ludwigshafen und eine 43-jährige Deutsche mit türkischen Wurzeln aus Stuttgart. Das Trio soll im November 2016 zunächst einen Geschäftsmann (64) aus Brühl entführt, ihm Geld abgepresst und ihn dann ermordet haben. Zudem sollen die Angeklagten den Mutterstadter Unternehmer Ismail Torun entführt und nach der Übergabe von 975 000 Euro Lösegeld erdrosselt haben. 

In seiner Erklärung entschuldigte sich der 49-Jährige bei den Angehörigen. "Von Mord war niemals die Rede." Auch stellte er sich selbst als Opfer einer Intrige dar. In der teilweise schwierig nachzuvollziehenden Rede griff der Angeklagte nicht nur seinen mutmaßlichen Komplizen an.

Der Staatsanwaltschaft warf er Korruption vor. Über seine Rechtsanwältin sagte er, diese habe von ihm verfasste Nachrichten an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Die Juristin wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Ein Anwalt, der die Familie eines der Opfer vertritt, äußerte sich zurückhaltend mit Blick auf die Aussage des Angeklagten. Diese klinge wie eine Verschwörungstheorie. Der 38 Jahre alte Mitangeklagte stritt die Behauptungen des älteren Angeklagten ab. (mit dpa)

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