Metropolregion

Justiz Im Prozess um den Mord in der Speyerer Nachtbar „Thai Orchidee“ sagen Rechtsmediziner und Kriminaltechnikerin aus

Grausame Details des Verbrechens

Archivartikel

Frankenthal.Der bullige Mann mit dem kahl geschorenen Kopf verschränkt die Arme vor der Brust und streckt seine Beine aus. Scheinbar unbeteiligt verfolgt der Angeklagte im Prozess um die Bluttat in der Speyerer Nachtbar „Thai Orchidee“, wie ein Rechtsmediziner und eine Kriminaltechnikerin vor dem Frankenthaler Landgericht grausame Details des Verbrechens schildern. Vor sieben Jahren hatte der Mord an der thailändischen Kellnerin mitten in der Speyerer Altstadt für großes Entsetzen gesorgt.

Opfer saß an einem Tisch

Aufgrund der Obduktion ist Thomas Riepert, stellvertretender Leiter der Mainzer Rechtsmedizin, überzeugt, dass die mit 40 Kilogramm Körpergewicht sehr zierliche Bardame nach dem ersten Angriff nicht sofort handlungsunfähig war. So spricht Riepert von einem „längeren Todesgeschehen“ und massiven Verletzungen. „Es ist sehr ungewöhnlich, dass wir gleich drei verschiedene Arten der Gewalteinwirkung an dem Opfer festgestellt haben.“ Es gebe stumpfe und scharfe Verletzungen sowie einen Steckschuss im Kopf. Außerdem habe das Opfer offene Brüche an zwei Fingern sowie Schnittverletzungen an den Händen erlitten, weil sich die 1,53 Meter große Frau wohl heftig gewehrt hat. In ihrer linken Brust steckte ein Küchenmesser mit 20 Zentimetern Klingenlänge, das aber keine schweren Verletzungen verursacht habe. Die massivste Gewalt sei aber gegen den Hals der zierlichen Kellnerin ausgeübt worden: „Der Kehlkopf war geborsten, das Zungenbein und das linke Schlüsselbein gebrochen.“ Denkbar ist nach Ansicht des Rechtsmediziners, dass jemand der auf einem Stuhl sitzenden Frau mit großer Wucht gegen den Hals getreten hat und ihr Kopf an die Wand dahinter prallte. Durch die schweren Verletzungen habe die Thailänderin Blut eingeatmet und sei schließlich erstickt. Auch der erhebliche Blutverlust hat laut Riepert zum Tod der Frau beigetragen.

Ein beklemmendes Bild zeichnet die Kriminaltechnikerin, die als eine der ersten am Tatort war: „Es war überall sehr viel Blut. Das Opfer saß an einem Tisch, die Beine waren ausgestreckt und der Kopf nach hinten gekippt. Eine Schuh war am falschen Fuß, der andere lag unter dem Tisch und über ihrer Schulter hing ein blutgetränktes Küchenhandtuch“, schildert die Kommissarin die Auffindesituation. Die Tische in dem sehr dunklen Lokal seien abgeräumt gewesen und der Fernseher lief noch. Die Beamtin geht davon aus, dass nicht nur ein Täter an dem Verbrechen beteiligt war: „Alle Geldspielautomaten waren aufgebrochen und sämtliche Schubladen aufgezogen.“ Für einen allein sei es zu viel Arbeit gewesen, die Maschinen aufzuhebeln und sich gleichzeitig um die Kellnerin zu kümmern, die sich offensichtlich heftig gewehrt habe.

Der 47-jährige Angeklagte hatte beim Prozessauftakt behauptet, dass er „der Falsche“ sei und nichts mit dem Mord zu tun habe. Allerdings berichtet die Kommissarin auch von einer Hausdurchsuchung bei dem Pfälzer. Dabei war ein schwarzer Arbeitshandschuh entdeckt worden, der sowohl DNA-Material des Opfers als auch des Angeklagten sowie Schmauch-Spuren trägt.