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Justiz 21- und 24-Jähriger müssen bis zu vier Jahre hinter Gitter

Haftstrafen nach Trick im Netz

Archivartikel

Frankenthal/Freinsheim.Mit einem falschen Profil auf der Datingplattform mysuggardaddy.eu haben sie einen Mann in eine Falle gelockt und ausgeraubt, jetzt sind zwei Freinsheimer im Alter von 21 und 24 Jahren von der Jugendkammer des Frankenthaler Landgerichts zu Haft- beziehungsweise Jugendstrafen von drei Jahren und neun Monaten sowie vier Jahren verurteilt worden. Nach Überzeugung der Richter haben sie sich des schweren Raubs, schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung schuldig gemacht.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass sich die beiden Angeklagten im Jahr 2019 gemeinsam mit einem dritten Täter, den beide zum Prozessauftakt namentlich genannt hatten, zusammengetan und den Account angelegt hatten. „Unter dem Namen Anna-Lea 67, einer etwa 20-jährigen Bäckereifachverkäuferin, haben sie Kontakt zu anderen Nutzern aufgenommen“, sagte die Vorsitzende Richterin Iris Blankenhorn. Am späten Abend des 10. September sei es dann schließlich in Freinsheim zu einem Treffen mit einem geköderten Professor gekommen. „Er hatte wohl eine vollbusige junge Dame erwartet, wurde aber von den Angeklagten in Empfang genommen“, so Blankenhorn.

Von zwei Seiten hätten sich die Männer ihrem Opfer genähert, es geschlagen, mit einem Messer bedroht und ihm schließlich in Person des 21-Jährigen zwei Schnitte zugefügt. Der dritte Täter habe dem Professor eine 8000 Euro teure Uhr abgenommen, daneben erbeutete das Trio 200 Euro. „Diesen Tathergang hat die Hauptverhandlung im Wesentlichen bestätigt“, sagte die Vorsitzende. Beide Angeklagten hatten die Tat beim Prozessauftakt eingeräumt. Die Benennung des dritten Täters habe sich strafmildernd ausgewirkt, so Blankenhorn.

Berechnendes Kalkül

Dennoch unterstrich die Vorsitzende Richterin auch die Brutalität und das berechnende Kalkül, mit dem die jungen Männer vorgegangen seien. „Sie sind davon ausgegangen, dass die Opfer wenig dazu neigen werden, zur Polizei zu gehen, weil sie aufgrund ihrer Aktivitäten auf dem Datingportal peinlich berührt sein könnten“, begründete sie. Die Kammer sei zwar ebenfalls „nicht begeistert von den Vorgängen“ auf mysuggardaddy.eu, wo vermögende Männer auf der Suche nach einer schnellen Nummer sind. „Die Dinge laufen dort aber weitgehend einvernehmlich ab, wir wollen hier auch nicht moralisieren“, sagte Blankenhorn.

„Sie beide haben ein schweres Verbrechen begangen, das muss sich jeder vor Augen halten. Dafür müssen Sie Verantwortung tragen“, schloss sie in Richtung der Angeklagten. Gerade der 21-Jährige habe Glück gehabt, dass bei einem Messerstich im Lungenbereich nichts Schlimmeres passiert sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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