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Gericht Prozess wegen Explosion eines Hauses / Anwalt sieht rechtsstaatliche Grundsätze verletzt

Heftige Kritik an Ermittlern

Archivartikel

Darmstadt/Löhrbach.Am vierten Tag der Hauptverhandlung gegen einen 60-jährigen Löhrbacher vor der 18. Großen Strafkammer des Landgerichts Darmstadt fuhr Verteidiger Moritz David Schmitt schweres Geschütz auf: Er beantragte die Einstellung oder zumindest die Aussetzung des Verfahrens. „Was wir heute wieder gesehen haben, ist nicht mit den Grundsätzen eines rechtsstaatlichen Verfahrens vereinbar“, erklärte der Rechtsanwalt. Dem Angeklagten, der sich wegen der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion verantworten muss, seien teilweise Aussagen „untergejubelt“ worden. „Das ist nicht tolerabel“, sagte Schmitt und wandte sich an das Gericht unter dem Vorsitzenden Richter Mathis Dreher: „Es wäre Ihre vornehmste Pflicht, diesem Antrag zu folgen.“

Die Kritik Schmitts entzündete sich vor allem an dem Protokoll der Vernehmung eines jetzt 63 Jahre alten Mannes aus St. Leon-Rot, der vor einigen Jahren eine intime Beziehung mit dem Angeklagten gepflegt hatte. Der Inhalt dieser Vernehmung, die im Zusammenhang mit der Explosion am 22. März durchgeführt worden war, steht im krassen Gegensatz zu den Aussagen des 63-Jährigen gestern vor Gericht. Mehrfach beteuerte der Mann, dass er viele der im März in seinem Namen protokollierten Aussagen nicht getätigt habe. Außerdem: Das Protokoll ist von dem 63-Jährigen nicht unterzeichnet worden.

Der Zeuge aus St. Leon-Rot gab an, er habe mit dem Angeklagten ab 2007 vier Jahre lang eine intime Beziehung gehabt, die nach und nach in ein rein freundschaftliches Verhältnis gemündet sei. Leider könne er sich nicht mehr an Einzelheiten erinnern, da er aufgrund einer schweren Krankheit starke Medikamente nehmen müsse, die zu erheblichen Gedächtnisstörungen führten. Erinnern könne er sich aber daran, dass am 22. März die Polizei bei ihm erschienen sei und ihm vom Tod des Löhrbachers berichtet habe. „Als er dann gefunden wurde, war ich total baff.“ Er traue dem Angeklagten die Tat „niemals zu. Er hätte für das Haus doch so viel Geld bekommen.“

Insgesamt war die Atmosphäre am vierten Prozesstag hitziger, die Wortwahl schärfer als zuvor. Dazu leistete auch der Angeklagte selbst seinen Beitrag, der die Zeugen nicht nur befragte, sondern regelrecht verhörte und sie immer wieder mit deutlichen Worten zurechtwies.

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