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Religion Waldseer Pfarrei erstattet Anzeige nach Verwüstungen in der Lourdes-Grotte / Heiligenfigur zerschlagen

Heiliger Bernadette den Oberkörper abgeschlagen

Archivartikel

Waldsee.Im weichen Abendlicht liegt ein besonderer Zauber über der kleinen Lourdes-Grotte der katholischen Pfarrkirche im pfälzischen Waldsee. „Ich bin gerne hier und besuche die Muttergottes oft“, erzählt Renate Emmel von der Frauengemeinschaft St. Martin. Fürsorglich blickt sie zur Marien-Figur, die in einer Nische aus schwarzem Stein hinter der Kirche steht.

Doch derzeit zerreißt es der gläubigen Christin beinahe das Herz, wenn sie sieht, was Unbekannte dem Andachtsort angetan haben. „Überall lagen Scherben herum, die Blumen wurden aus den Töpfen gerissen und unserer Heiligen Bernadette hat man den Oberkörper abgeschlagen“, sagt sie empört. „Es tut mir weh, wenn etwas Religiöses zerstört wird“, sagt sie leise. Die Figur erinnere an Bernadette Soubirous: „Die französische Ordensschwester hatte als 14-jähriges Mädchen mehrere Marienerscheinungen und wird in der katholischen Kirche als Heilige verehrt. Ihr Geburtsort Lourdes hat sich zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte in Europa entwickelt.“

Erst im Mai 2018 eingeweiht

Wer die kleine Mariengrotte in Waldsee – die auf einem Grundstück der Ortsgemeinde steht und der Kirchengemeinde gehört – geschaffen hat, weiß Emmel gar nicht. „Ich habe überall recherchiert, aber es gibt keinerlei Aufzeichnungen darüber, wie lange sie schon existiert und wer sie erbaut hat. Im vergangenen Jahr, zum 50. Geburtstag der katholischen Frauengemeinschaft, haben wir die Lourdes-Grotte und die Figuren restaurieren lassen.“ Zudem stecke die Arbeit vieler helfender ehrenamtlicher Hände in dem meditativen Ort, der auf einer Art Terrasse an der Ostseite der Kirche mit Blick auf die Rheinauen liegt. „Erst im März 2018 ist die Bernadette-Figur eingeweiht worden“, sagt Emmel und schaut traurig auf die Rumpf-Überreste.

Es ist indes nicht das erste Mal, dass die Statue Opfer von Diebstahl oder Vandalismus geworden ist. „Die allererste Figur wurde gleich in der ersten Nacht gestohlen. Und die zweite haben Unbekannte über die Mauer auf die Straße geworfen.“ Im jüngsten Fall sei nun Anzeige erstattet worden. Denn immer häufiger beschädigten Unbekannte die Figuren, „wenn auch nicht so schlimm wie diesmal“, berichtet die Pfälzerin. So sei der Sockel, auf dem Maria steht, einst hellblau gewesen. Nun ist er schmutzig grau.

„Wir haben in Lourdes angerufen und eine neue Bernadette bestellt, die eine Pilgergruppe aus Limburgerhof kommende Woche mit in die Pfalz bringt“, berichtet Emmel, wie es nun weitergeht. Das neue Exemplar sei komplett aus Beton. Schützen könne man die Betende aber dennoch nicht. „Videokameras sind aus Datenschutzgründen verboten und Zäune oder Gitter halten niemanden davon ab, etwas Dummes zu tun. Sie zerstören aber die Atmosphäre dieses Ortes.“Die zerschlagene Bernadette ist mittlerweile abgebaut und wird im Atelier des Künstlers provisorisch wieder zusammengeklebt. Vielleicht finde die alte Bernadette einen neuen Platz im benachbarten Heimatmuseum. „Man bringt es doch nicht übers Herz, sie wegzuwerfen.“

Und Renate Emmel wird ihre kleinen Wallfahrten zur Muttergottes und der Heiligen Bernadette auch weiterhin machen. In Lourdes war sie übrigens noch nie. „Noch geht’s mir gut, das hebe ich mir auf, bis es nötig ist.“

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