Metropolregion

Landwirtschaft Frühreifes Getreide mindert den Ertrag der Bauern in der Region / Preiskorrekturen drücken das Angebot

Heiße Tage fordern frühen Ernteeinsatz

Rhein-Neckar.Dem einen oder anderen werden die vielen Mähdrescher und Traktoren auf den Feldern bereits aufgefallen sein: Die frühe Hitze in den Frühlingsmonaten fordert jetzt schon – vor dem eigentlichen Beginn der Erntezeit – den vollen Einsatz der Landwirte.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicken die Bauern in der Pfalz auf das Erntejahr 2018. Für Getreide, Mais und Zuckerrüben, Obst und Gemüse seien trotz der anhaltenden Hitze im Frühjahr zufriedenstellende Ergebnisse zu erwarten, sagte der Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartelt.

Gerstenernte fast abgeschlossen

„Bei allen Schwierigkeiten, die wir haben, muss man zufrieden und dankbar sein, wenn man sich die katastrophalen Meldungen aus Nord- und Ostdeutschland anschaut“, sagte Hartelt zur bereits eingefahrenen Getreideernte. Diese begann wegen Trockenheit und Wärme in diesem Jahr ungewöhnlich zeitig. „Wir sind drei Wochen früher dran als sonst, das hatten wir noch nie.“ Bei Winter- und Sommergerste für Viehfutter und Brauereien sei die Ernte im südlichen Rheinland-Pfalz fast abgeschlossen. Auch der Großteil des Weizens sei in Rheinhessen und der Südpfalz schon geerntet.

Die Zuckerrüben haben sich nach den Worten Hartelts gut entwickelt – hier hoffen die Bauern nun aber auf Regen. Bei Raps für Viehfutter und zur Produktion von Biodiesel sei jedoch die Ernte um ein Viertel geringer ausgefallen als sonst, fügte der Vorsitzende des Fachausschusses Pflanzenbau, Adolf Dahlem, hinzu. Grund sei die kurze Blühphase in einem ungewöhnlich warmen April und Mai. Eine extrem frühe Ernte gab es nach Angaben des Verbands bei Kirschen und Aprikosen – das gleichzeitig auf den Markt gebrachte Obstangebot aus dem Ausland habe zu „massiven Preiskorrekturen“ geführt. Ähnlich ist die Situation bei Gemüse und Frühkartoffeln.

Auch in Südhessen begann die Ernte zwei bis drei Wochen früher als in den Vorjahren. „Dieses Jahr sind wir verdammt früh dran. Aufgrund der heißen Temperaturen ist das Getreide schneller gereift“, berichtete Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbandes. Der Reifeprozess des Getreides endete abrupt, und das bevor die Kornfüllungsphase abgeschlossen war – ein erheblicher Verlust für die Bauern, der sich voraussichtlich in den Getreidepreisen widerspiegeln wird. „Wir rechnen im Schnitt mit 20 Prozent weniger Ertrag“, so Weber. 15 bis 20 Prozent unter dem Schnitt liegen auch die Rapsbestände. Bereits die Ausgangssituation zur Saatzeit sei schlecht gewesen. Durch das schnelle Blühen im Frühjahr konnten sich die Pflanzen nicht vollständig entwickeln.

Die landwirtschaftliche Situation hat Wolfgang Guckert, Kreisvorsitzender des Rhein-Neckar-Bauernverbandes, direkt vom Mähdrescher aus im Blick. „Es fehlt an Wasser. Die starke Trockenheit hat den Pflanzen ganz schön zugesetzt“, sagte er zur Lage in Nordbaden. Eine Umstellung für die Jahresplanung der Bauern – die Mäharbeiten müssen früher erledigt werden. „Ich wünsche mir noch ein bisschen Regen“, so der Ausblick Guckerts. vs/lrs